Identitätskrise und Psychose

Adoleszenz und Identitätsbildung

Der Bericht des Ich-Erzählers erstreckt sich über mehrere Jahre, in denen er vom Kleinkind (S. 10) zu einem pubertierenden Jugendlichen (S. 139) im Alter von vermutlich 13 bis 15 Jahren heranwächst. Während der Zeit der Adoleszenz findet in aller Regel die menschliche Identitätsentwicklung statt, wobei der Heranwachsende wesenstypische Charaktermerkmale herausbildet und sich so zu einer eigenständigen Persönlichkeit entwickeln kann. Diese Identitätsfindung geschieht vor allem über Vorbilder, mit denen der Jugendliche sich oft auch kritisch auseinandersetzt. 

Diese Vorbilder sind in erster Linie die Eltern, wobei aber auch Freunde oder die Peergroup eine wichtige Rolle spielen. Wird die Entwicklung der persönlichen Identität beispielsweise durch temporäre Abwesenheit oder den Tod der Eltern gestört, ist es für den betreffenden Jugendlichen sehr schwer, ein eigenes Wertesystem zu entwickeln. Die Vorbilder wirken als eine Art Fixpunkte, die es den Teenagern erlauben, ihren eigenen Weg zu finden. Mögliche Folgen einer fehlenden Orientierung oder eines niedrigen Selbstbewusstseins können kriminelle Handlungen oder Suchtverhalten darstellen.

Ungenügende Aufmerksamkeit und gestörte Kommunikation 

Die Eltern des Ich-Erzählers in Treichels Novelle widmen fast ihre gesamte Aufmerksamkeit der Suche nach dem verlorenen Arnold. Dadurch vernachlässigen sie ihren zweitgeborenen Sohn, denn sie bringen dem Erzähler nur ein geringes Interesse und kaum Zuwendung entgegen und sprechen selten mit ihm: „Dem Vater reichten kurze Befehle und Arbeitsanweisungen, um sich mit mir zu verständigen, und die Mutter redete wohl gelegentlich mit mir, doch meist lief das Gespräch auf den Bruder Arnold (…) hinaus.“ (S. 12). Zudem bewirkt die emotionale Vernachlässigung der Eltern, dass der Sohn selbst Schwierigkeiten hat, Mitgefühl und Empathie zu entwickeln: „Früher hatte mich meine Mutter nie gedrückt, und jetzt wollte ich nicht mehr gedrückt werden“ (S. 74 ); „… und ich dachte daran, daß ich wohl unter ...

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