Interpretation

Unsere Interpretation zu Hans-Ulrich Treichels Novelle Der Verlorene (1998) widmet sich den wichtigsten Themen der Geschichte und beginnt zunächst mit dem Verlust des erstgeborenen Sohns Arnold während der Flucht aus den Ostgebieten im Januar 1945. Das ungeheuerliche Geheimnis beichten die Eltern ihrem zweitgeborenen Sohn, als er noch ein Kind ist: Arnold ist nicht gestorben, sondern verschollen. 

Die unangenehme Wahrheit und der Versuch, sie zu verdrängen, provozieren bei der Mutter Körpersymptome, Sprachlosigkeit und emotionale Stumpfheit, während der Vater sich in die Arbeit flüchtet. Der Verlierer ist der Ich-Erzähler, der in der Familie lediglich eine Nebenrolle einnimmt. Die vorherrschende Problematik der Verdrängung und ihre seelischen Folgen für das Leben der Figuren verdeutlichen zahlreiche Beispiele und Zitate aus dem Text in unserer umfassenden Deutung.

Die Thematik von Schuld und Scham spielt in der Novelle eine übergeordnete Rolle, da sie das Leben des heranwachsenden Erzählers und seiner Eltern sehr belastet und nahezu den kompletten Alltag der Familie beeinflusst. Die Frage der Schuld erhält in Bezug auf den verlorenen Arnold ihre besondere Tragweite. Warum auch der Erzähler sich oft schuldig fühlt, wird verständlich und detailliert erklärt. 

Das veränderte Verhalten der Mutter ist in ihrer posttraumatischen Belastungsstörung begründet. Nach einer genauen Definition des Begriffs werden die Ursachen und Symptome der Krankheit untersucht. Die Interpretation interessiert sich insbesondere auch für den Ich-Erzähler, der sich in der Phase der Adoleszenz befindet. Ein großes Problem besteht in seiner gewissen Orientierungslosigkeit, denn der Jugendliche hat aufgrund fehlender Vorbilder mit großen Problemen bei der Entwicklung einer eigenen Identität zu kämpfen. Sein Gefühl, von seinen Eltern vernachlässigt zu werden, sowie der Mangel an Aufmerksamkeit, Kontakt und Kommunikation verursachen nicht nur Unsicherheit und eine Identitätskrise, sondern lösen vor allem auch psychosomatische Reaktionen, Sarkasmus und Aggressionen aus. 

Wie der Berichterstatter versucht, eine eigenständige Persönlichkeit zu entwickeln und mit welchen Schwierigkeiten seitens der Familie er dabei zu kämpfen hat, wird überzeugend erklärt. Schließlich wird das Dokument in historischer Perspektive betrachtet: Was ist real und wo lassen sich Fiktion oder Klischees in der Erzählung erkennen?...

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