Beziehung Franz und Freund

Der erste Kontakt

Franz Huchel und Sigmund Freud sind zwei der fünf Hauptpersonen in Robert Seethalers Roman Der Trafikant. Sie lernen sich kennen, als Freud „An einem trübgrauen Montagvormittag“ (S. 35) Otto Trsnjeks Tabaktrafik aufsucht, in der Franz seit ein paar Wochen als Lehrling arbeitet. Nachdem der alte Mann die Trafik wieder verlassen hat, läuft Franz ihm hinterher, denn Freud hat seinen Hut auf der Ladentheke vergessen (S. 40). 

Der Jugendliche begleitet anschließend den berühmten Psychoanalytiker zu dessen Wohnung in der Berggasse 19 (S. 41) und nutzt dabei die Gelegenheit, ihn über seine Arbeit auszufragen: „Stimmt es, dass Sie den Leuten ihre Schädel wieder gerade richten können? Und ihnen hernach beibringen, wie ein ordentliches Leben ausschaut?“ (S. 42). Der Arzt antwortet ihm nur ausweichend, denn er empfindet die forsche Art des Jugendlichen als aufdringlich (S. 43): „Wir rücken überhaupt nichts gerade. Aber wenigstens renken wir auch nichts aus, und das ist in den heutigen Ordinationen gar nicht so selbstredend. Wir können gewisse Verirrungen erklären, und in manchen eingebungsvollen Stunden können wir das, was wir gerade eben erklärt haben, sogar beeinflussen. Das ist alles“ (S. 42).

Freud wundert sich über Franz‘ Interesse an der Psychoanalyse und fordert ihn dazu auf, seine Zeit lieber wie andere Jugendliche seines Alters zu verbringen: „Du bist jung. Geh an die frische Luft. Mach einen Ausflug. Amüsier dich. Such dir ein Mädchen.“ (S. 43). Mit dem letzten Satz hat Sigmund Freud genau erkannt, welche Gefühle und Sehnsüchte den 17-Jährigen beschäftigen, und auf diese Weise das Vertrauen des Jugendlichen gewonnen: „Endlich hatte er das ausgesprochen, was ihm schon seit langer Zeit, im Grunde genommen schon seit dem Tag, an dem seine ersten Schamhaare zaghaft zu sprießen begonnen hatten, sowohl das Hirn als auch das Herz umrührte.“ (S. 44).

Freud stärkt zudem Franz‘ Selbstbewusstsein, indem er versucht, ihm seine Unsicherheit zu nehmen. Als der Jugendliche Zweifel daran äußert, dass er dazu in der Lage ist,...

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