Reale Personen im Werk

Sigmund Freud

Der Vater der Psychoanalyse

Auch wenn die Figuren in Seethalers Roman zum größten Teil der Fantasie entspringen, die der Autor mit persönlichen Erinnerungen verknüpft hat, existieren für zwei Personen historische Vorbilder: Es handelt sich dabei um den berühmten Psychoanalytiker Sigmund Freud[1] sowie dessen jüngste Tochter Anna.[2] Während der Autor die Lebensdaten und einige biografische Fakten seiner Vorbilder von den realen Personen übernommen hat, sind die dargestellten Dialoge der beiden Figuren sowie ihre Interaktionen mit anderen Teilnehmern der Geschichte frei erfunden.

In einem Interview äußert sich der Autor über Sigmund Freud: „Ich mag ihn. Er war ein Fantast und freier Denker. Er hat zwar nicht die Welt verändert, aber unsere Art zu denken bewegt. Er war im prüden Wien zur Zeit der Jahrhundertwende ein Tabubrecher. Und er steht für mich symbolisch für den Zusammenbruch der damaligen westlichen Zivilisation.“[3]

Sigmund Freud ist in der Realität ebenso wie im Buch Jude (S. 39) und der „weltberühmte Begründer der Psychoanalyse“ (S. 224). Er wurde am 06. Mai 1856 geboren, was seinem Alter in Seethalers Geschichte entspricht: Zur Zeit der Handlung ist Freud „über achtzig“ (S. 119), real war er in den Jahren 1937/38 81 bzw. 82 Jahre alt. 

Der historische Freud ist auch im Roman mit Martha verheiratet (S. 69), jedoch werden seine sechs Kinder, mit Ausnahme der jüngsten Tochter Anna, in dem Roman nicht erwähnt. In Seethalers Werk lebt Anna gemeinsam mit ihren Eltern in der Berggasse 19 in Wien. Diese Adresse war auch tatsächlich der reale Wohnort der Familie Freud, zudem unterhielt der Analytiker ein Sprechzimmer in seiner Wohnung. Dort empfängt er auch als Romanfigur bis ins hohe Alter hinein seine Patienten (S. 115ff.). 

Äußere Erscheinung 

Wie auf vielen Abbildungen des Arztes aus dem letzten Jahrhundert zu erkennen ist, stimmte Freuds äußere Erscheinung als alter Mann mit der Romanfigur überein: Freud hat im Alter eine schmächtige Figur (S. 35), einen weißen Bart und trägt zeitweise „eine runde schwarzgerahmte Brille“ (S. 36). Zudem war er zeit seines Lebens ein starker Raucher und auch der Analytiker im Buch kauft sich regelmäßig seine Zigarren in Ottos Trsnjeks Tabaktrafik (S. 35ff.). 

Zu Beginn der 1920er Jahre erkrankte der historische Freud an Gaumenkrebs und musste mehrfach operiert werden.[4] Dabei wurde ihm der rechte Kiefer entfernt und durch eine Prothese ersetzt. Der Roman erwähnt Freuds Kieferprothese, ...

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