Erzähltechnik

Singulatives und iteratives Erzählen

„Der blonde Eckbert“ ist – wie fast immer in Erzähltexten – grundsätzlich durch ein singulatives Erzählen charakterisiert: Also, was einmal passiert ist, wird einmal erzählt. Ein Ereignis wird genauso oft erwähnt, wie es geschehen ist.

Auffallend häufig finden sich aber auch in der Erzählung Passagen mit iterativem Erzählen. Das bedeutet, dass ein Geschehnis, das sich wiederholt ereignet, nur einmal erwähnt wird, wie zum Beispiel: „An allen Tagen dieser Woche bin ich früh aufgestanden.“ Besonders gut erkennbar ist das iterative Erzählen an Adverbien, wie „oft“, „häufig“, „regelmäßig“ oder „gern“, die anzeigen, dass etwas mehrmals passiert, aber nur einmal summarisch geschildert wird.

- Innerhalb der Rahmenhandlung von Tiecks Erzählung trifft dies zum Beispiel auf die vielen ereignislosen Ehejahre zu, die summarisch in wenigen Worten zusammengefasst werden (vgl. S. 3), und ebenso auf die zahlreichen Besuche Walthers: „Niemand kam so häufig auf die Burg als Philipp Walther […]. Dieser […] hielt sich aber oft über ein halbes Jahr in der Nähe von Eckberts Burg auf“ (ebd.). Auch die regelmäßigen Zusammenkünfte mit Hugo werden durch iteratives Erzählen wiedergegeben: „Beide waren nun häufig beisammen“ (S. 22).

Die Funktion des iterativen Erzählens besteht in der Regel darin, Zeit zu sparen und Langeweile zu vermeiden. Folglich geht diese Form des Erzählens mit einer Zeitraffung einher, weshalb man in diesen Fällen von einer iterativen Zeitraffung spricht. Die iterative Zeitraffung bezieht sich in „Der blonde Eckbert“ vor allem auf jene Passagen der Erzählung, in denen nichts Außergewöhnliches geschieht, die also von Gleichförmigkeit und Monotonie bestimmt sind.

- Innerhalb der Binnenerzählung wird zunächst Berthas frühe Kindheit, die im Wesentlichen aus Vorwürfen und Züchtigungen bestand, iterativ zusam...

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