Reale Begebenheiten und fiktionale Ausgestaltung

Kulturelle Identität als Basis des realistischen Erzählens

Aufgrund ihres früheren Lebens in Mainz kennt die Autorin die Stadt, das Rhein-Main-Gebiet sowie die Menschen dieser Gegend sehr gut. Noch bestehende Kontakte in ihre Geburtsstadt helfen ihr bei der Recherche aus dem Ausland. Die realistische Darstellung der Stadt, ihrer Umgebung und der dort lebenden Menschen ist der Autorin ein ganz besonderes Anliegen: „In dieser Stadt, in der ich meine Kindheit verbrachte, empfing ich, was Goethe den Originaleindruck nennt: den ersten Eindruck, den ein Mensch von einem Teil der Wirklichkeit in sich aufnimmt, ob es der Fluss ist, oder der Wald, die Sterne, die Menschen. Ich habe versucht, in vielen meiner Bücher festzuhalten, was ich hier erfuhr und erlebte.“ (Quelle)

Den Lesern*innen fällt so vor allem die detaillierte Beschreibung der Landschaft oder die des Mainzer Doms auf: „Er rutschte quer durch das Seitenschiff, unter den Blicken von sechs Erzkanzlern des Heiligen Reichs, mit einer abgespreizten Hand wie ein Hund, der sich eine Pfote geklemmt hat.“ (S. 78). Dennoch muss die Schriftstellerin aufgrund ihrer fehlenden Möglichkeit, vor Ort zu recherchieren, einige reale Elemente fiktional ausgestalten. Hierfür greift sie auf Berichte von anderen Flüchtlingen, Augenzeugenberichte und die internationale Presse zurück.

Flucht von sieben Häftlingen aus dem KZ Sachsenhausen (1936)

Die Grundkonzeption des Romans geht auf eine reale Begebenheit zurück, die Anna Seghers bekannt war. Am 4. November 1936 fliehen sieben Häftlinge aus dem KZ Sachsenhausen, das sich in der Stadt O...

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