Deutschland Anno 1937

Deutschland unter Adolf Hitler

Die Zeit von der Machtergreifung der deutschen Nationalsozialisten unter Adolf Hitler (30. Januar 1933) bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges (08. Mai 1945) erweist sich als das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte. Unter der Diktatur von Adolf Hitler, der in seinen Bestrebungen von der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) unterstützt wird, wandelt sich das demokratische Deutschland der Weimarer Republik innerhalb kurzer Zeit zu einem vom Antisemitismus und dem alles beherrschenden Führerkult geprägten zentralistischen Staat. 

Schon die im Januar und Februar 1933 erlassenen Gesetze heben die Gewaltenteilung, die Macht des Parlaments und viele grundlegende Bürgerrechte auf. Nach und nach werden auf diese Weise die Weimarer Verfassung außer Kraft gesetzt und stattdessen ein autoritäres Regime etabliert. Die Schnelligkeit und Gründlichkeit, mit der die Nationalsozialisten die deutsche Gesellschaft innerhalb kürzester Zeit aus ihren Fugen heben und für ihre Zwecke einspannen, bekommen viele der hart arbeitenden Menschen nicht sofort mit: „Doch Fiedlers ging es, wie es gar vielen Menschen erging, seit dem Anbruch des Dritten Reiches. Nicht nur ihre äußeren Verhältnisse und Beziehungen waren undurchsichtig und halb gültig, ihr Zeitgefühl selbst war aufgelöst. Sie kamen sich in der Schwebe vor und wunderten sich aufs Höchste, wenn wieder ein Jahr vorbei war.“ (S. 373). 

Deutschland unter Adolf Hitler ist von Anfang an durch Verfolgung und Unterdrückung Andersdenkender gekennzeichnet. Gezielt werden alle Oppositionellen, Behinderten, Homosexuellen, Juden sowie Sinti und Roma zu minderwertigen Personen erklärt und mithilfe der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) sowie den Schergen der SA und SS gnadenlos verfolgt. Sie werden in hunderten Konzentrationslagern inhaftiert und ermordet: „Gleich im ersten Monat der Hitlerherrschaft hatte man Hunderte unserer Führer ermordet, in allen Teilen des Landes, jeden Monat wurden welche ermordet. Teils wurden sie öffentlich hingerichtet, teils in den Lagern zu Ende gequält. Die ganze Generation [der Weimarer Republik] hatte man ausgerottet.“ (S. 173). Wallaus Tod im KZ Westhofen steht stellvertretend für all diejenigen Menschen, die voller Überzeugung für Demokratie und Frieden kämpften und dafür auf brutale Weise in einem Konzentrationslager ermordet wurden. 

Der gesamte Staatsapparat im nationalsozialistischen Deutschland wird auf den Führer eingeschworen und alle Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens sind nun völlig politisiert. Nur wer sich anpasst und jeden Widerstand gegen das nationalsozialistische System aufgibt, kann in Ruhe leben. Daher wagt es einer der alten Freunde von Georg, der Architekt Sauer, nicht mehr, ihm zu helfen und damit seine gesellschaftliche Position aufs Spiel zu setzen: „Nach Menschen Ermessen hätte er alles für Georg getan. […] Versteh mich recht, Georg, ich hab aufs Geratewohl nichts tun dürfen. […] Er zuckte mit den Achseln. Er schlupfte in seine Jacke, an der das Parteiabzeichen steckte und das EK I.“ (S. 287). 

Die Gestapo wacht mithilfe von Bespitzelung und Denunziation darüber, dass niemand es wagt, sich kritisch zu Hitler und dem NS-Staat zu äußern. So warnt der Kommissar der Gestapo, der den Schwiegervater von Georg Heisler nach dessen Flucht verhört, ausdrücklich: „Wir möchten Sie warnen in Ihrem Interesse, Herr Mettenheimer, im Interesse Ihrer gesamten Familie, als deren Oberhaupt Sie nun einmal gelten. Enthalten Sie sich jedes Schritts und jeder Äußerung, die in irgendeinem Zusammenhang mit dem gewesenen Mann Ihrer Tochter Elisabeth Heisler stehen.“ (S. 98).

Die Konzentration auf die Politik der Nationalsozialisten zeigt sich nach und nach in allen Lebensbereichen: Dafür steht exemplarisch die Ferienlager des Deutschen Fichte Bundes (S. 67) oder eine Hitler-Eiche (S. 213). Von früh an werden die Kinder im Sinne der nationalsozialistischen Idee erzogen, da sie am leichtesten formbar sind: „Da riss man das Beste aus, was im Lande wuchs, weil man die Kinder gelehrt hatte, das sei Unkraut. All die Burschen und Mädel da draußen, wenn sie einmal die Hitlerjugend durchlaufen hatten und den Arbeitsdienst und das Heer, glichen den Kindern der Sage, die von Tieren aufgezogen werden, bis sie die eigene Mutter zerreißen.“ (S. 173). Innerhalb kürzester Zeit wird so aus dem kleinsten Bruder von Georg, zu dem er vor seiner Inhaftierung ein überaus inniges Verhältnis hatte, sein ärgster Verfolger (vgl. dazu Interpretation/Faschismus). 

Propaganda und Kriegsvorbereitungen

Der Machtergreifung Hitlers geht der Aufbau einer umfassenden Propagandamaschinerie voraus, die zwischen 1933 und 1945 in extremem Maße ausgebaut wird, um die deutsche Bevölkerung mit Lügen für die Sache der Nationalsozialisten zu begeistern, Angst und Schrecken unter Andersdenkenden zu verbreiten und alle auf den kommenden Krieg einzustimmen. Ein wichtiges Werkzeug der flächendeckenden Propaganda ist vor allem die Wochenscha...

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