Parallelität

Georg und Franz

Obwohl die Binnenhandlung von „Das siebte Kreuz“ grundsätzlich chronologisch erzählt wird, wird der eigentliche Handlungsstrang von Georg Heislers Flucht immer wieder durch parallel dazu stattfindende Episoden anderer Figuren unterbrochen. Seghers ordnet diese wie einen Film an. Dazu orientiert sie sich nach eigenen Aussagen an Werken, wie „Ulysses“ von James Joyce sowie „Manhattan Transfer“ und „Der 42. Breitengrad“ von John Dos Passos.

Schon beim Übergang der Rahmen- zur Binnenhandlung wird die Parallelität der Handlung dadurch verdeutlicht, dass übergangslos von den Gedanken der Häftlinge des KZ Westhofens zum Rad fahrenden Franz übergeblendet wird, der am Montag eine Woche zuvor zur Arbeit fährt: „Der Jüngste von uns, Erich, sagte mit einem Blick aus den Augenwinkeln […]: »Wo mag er jetzt sein?« Anfang Oktober fuhr ein gewisser Franz Marnet von dem Gehöft seiner Verwandten, das zu der Gemeinde Schmiedtheim im vorderen Taunus gehörte, ein paar Minuten früher als gewöhnlich auf seinem Fahrrad ab.“ (S. 11).

Vor allem Franz und Georg sind die wichtigsten Personen der Handlung. Ihre Leben verlaufen parallel zueinander und werden auch so erzählt, berühren sich aber im Zeitraum der Romanhandlung nur äußerst marginal. Der engste Berührungspunkt zwischen ihren beiden Schicksalen in der Binnenhandlung findet in dem Moment statt, in dem Franz auf der Suche nach Georg freitags zuerst in einer Wirtschaft (S. 311), dann direkt bei der Familie Röder nachfr...

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