Der Erzähler

Ich-Erzähler

Anna Seghers Roman ist durch eine sehr vielschichtige Erzähltechnik geprägt. So beginnt die Rahmenhandlung aus der Sicht eines der Häftlinge des KZ Westhofen und damit mit einem Ich-Erzähler, der als Person nicht näher charakterisiert wird. Er spricht für alle Inhaftierten des Lagers nach Georg Heislers Flucht in der Wir-Form: „Das erfuhren wir alles viel später“ (S. 9). 

Im Prolog erfährt somit der Leser, dass von dem neuen Lagerkommandanten Sommerfeld, der den vorherigen brutalen Lagerkommandanten Fahrenberg ablöst, sieben Platanen im Konzentrationslager gefällt werden und dass dieser Vorgang für die Häftlinge ein kleiner Triumph über die Nazis ist: „Ein kleiner Triumph gewiss, gemessen an unserer Ohnmacht, an unseren Sträflingskleidern“ (S. 10). Die zentrale Frage der Häftlinge, mit der auf die Binnenhandlung übergeleitet wird, die sich, zeitlich betrachtet, vor der Rahmenhandlung abgespielt hat, lautet: „Wo mag er jetzt sein?“ (S. 11). Es interessiert sie brennend, wo sich Georg Heisler befindet, der in diesem Moment noch nicht namentlich genannt wird. Dadurch wird auch das Interesse des Lesers geweckt. 

Aufgrund des offenen Endes des Romans wird dem Leser diese Frage nach dem endgültigen Verbleib von Georg auch nicht im Epilog beantwortet. Stattdessen wird in der Binnenhandlung über seine sieben Tage andauernde Flucht berichtet. Sie endet mit der Beschreibung des holländischen Schiffers, der Georg ins Ausland bringt. Sein weiteres Schicksal bleibt offen. Damit bilden Anfang und Ende des Romans einen erzählerperspektivischen Kreis, in den die Binnenhandlung eingebettet ist.

Diese Kreisform wird schließlich durch das Wiedererscheinen des Ich-Erzählers im Epilog unterstrichen, der als Gefangener im KZ Westhofen und als Wortführer in der „Wir – Form“ für die übrigen Insassen spricht und am Ende der Erzählung verdeutlicht: „Das alles wussten wir damals noch nicht. Später waren so viele Dinge passiert, dass man nichts mehr genau erfahren konnte. Wir hatten zwar geglaubt, mehr könnte man nicht erleben, als wir erlebt hatten. Draußen stellte es sich heraus, wieviel es noch zu erleben gab. [...

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