Eichendorffs religiöse Haltung

Kritik an moderner Glaubensauffassung

Joseph von Eichendorffs Leben war von einer tiefen Verbindung zum katholischen Glauben geprägt. So waren auch seine Ansprüche an eine ‚wahre‘ romantische Dichtung vor allem religiöser Natur. In seiner »Geschichte der poetischen Literatur Deutschlands« schreibt er: „[…] denn die wahre Poesie ist durchaus religiös und die Religion poetisch, und eben diese geheimnisvolle Doppelnatur beider darzustellen, war die große Aufgabe der Romantik.“ (Quelle)

Eichendorff beobachtete mit Sorge den religiösen Umschwung in der Romantik, den er als „Gemisch von Mystizismus, katholischer Symbolik und protestantischer Pietisterei“ bezeichnete und als Nachwirkungen der Reformation einstufte. Demnach habe sich ein neuer, oberflächlicher Glaube breitgemacht, der „anarchisch sich selbst seinen Katholizismus nach eignem poetischen Gelüsten“ zurechtstutzt. (Quelle). Die Religion der modernen Romantik stütze ihre „Bildung auf das emanzipierte Subjekt“, sei also jenem Gedankengut der Aufklärung verpflichtet, das Eichendorff als Anmaßung gegenüber der göttlichen Ordnung ablehnte. 

Der konservative Dichter kritisiert vor allem die Inhaltlosigkeit der neueren Glaubensauffassung, die den Katholizismus nurmehr in seiner ästhetischen Funktion wahrnehme bzw. als „bloße Dekoration“ begreife. Dies betreffe insbesondere die „protestantisch geschult[en]“ Romantiker, deren Katholizismus „gemacht[ ], sprunghaft[ ] und forciert[ ]“ sei, also erzwungen und künstlich. 

Nicht zuletzt übt Eichendorff Kritik an der verlogenen Prüderie der Pietisten, welche die Geschlechtsliebe entweder negieren oder verteufeln wollten, ohne zu begreifen, dass die sinnliche, erdverbundene Natur des Menschen einen wesentlichen und unerlässlichen Bestandteil der ‚wahren‘ Liebe und der ‚wahren‘ Poesie bildet. Insofern ist auch Eichendorffs Darstellung der Verbindung aus Venusliebe und Marienliebe als Ausdruck seiner religiösen Haltung zu verstehen (vgl. Abschnitt „Die Liebesgeschichte“). 

Die Kritik des Dichters an der neuen Glaubensauffassung lässt sich insbesondere in der Klosterszene des »Schloss Dürande« ausmachen. Aber auch in der Darstellung des Ancien Régime, der Entwicklung Renalds zum Revolutionär, in Hippolyts zwischenzeitlichen Verfehlungen sowie in einigen Naturbeschreibungen und nicht zuletzt in der bereits angesprochenen Liebesbeziehung sind religiöse Stellungnahmen enthalten. Wie immer verbirgt Eichendorff seine Botschaften hinter entsprechenden Motiven und Symbolen. 

Das Kloster und die Nonnen

Ausstattung

Gabrieles Ankunft am Kloster schildert Eichendorff zunächst noch als eine hoffnungsvolle Szene. Die Situation lässt sich mit einem jungen Dichter am Beginn der Romantik verglei...

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