Eichendorffs politische Botschaft

Eichendorffs politische Einstellung

Seine revolutionskritische Einstellung hat Eichendorff in seiner Studienzeit in Halle, Heidelberg und Wien entwickelt. Beeinflusst wurde er hierbei durch seine Dozenten Joseph Görres, Adam Müller und Friedrich Schlegel. Von diesen Vorbildern übernahm der Dichter u.a. die Theorie, dass die Französische Revolution eine im Untergrund geplante Verschwörung sei, die allein von wenigen redegewandten Führern ausging. Auch die Kritik an den Idealen der Französischen Revolution (Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit) eignete sich der Autor in den entsprechenden Vorlesungen an. Nicht zuletzt ließ er sich dazu anregen, die Revolution im Bild des Unwetters darzustellen (vgl. Kapitel „Analyse“, Abschnitt „Symbole & Motive -Gewitter“). Insgesamt vertrat Eichendorff eine konservative Deutung der Französischen Revolution, welche die Ereignisse moralisch verurteilte und die tatsächlichen gesellschaftspolitischen Ursachen ignorierte. 

Eichendorffs konservatives Bewertungssystem entspringt nicht zuletzt seiner eigenen Zugehörigkeit zum oberschlesischen Adel sowie seinem streng katholischen Glauben. Darüber hinaus hat der Dichter die Revolutionen von 1830 in Frankreich und 1848 in Deutschland selbst miterlebt. Die Schrecken der blutigen Auseinandersetzungen dürften seine revolutionskritische Einstellung ebenfalls in starkem Maß geprägt haben. 

Welche politische Haltung Eichendorff einnimmt, lässt sich insbesondere seinen theoretischen Schriften entnehmen. Der konservative Autor versteht die revolutionäre Auflehnung des Volkes gegen den Staat als eine Anmaßung und Ignoranz gegenüber der alles umfassenden dritten Macht (also der Kirche bzw. dem Willen Gottes): „Gegen diese göttliche Offenbarung im Leben, wie gegen die geoffenbarte Religion, gegen diese höhere Waltung und Erziehung der Völker-Individuen, sträubt sich das für mündig erklärte Subjekt als gegen eine unleidliche, unwürdige Schranke.“ (Quelle

Der Ausdruck „für mündig erklärte[s] Subjekt“ verweist auf die Werte der Aufklärung, die auch wesentliche Impulse für die Französische Revolution lieferten. Demnach kann der Mensch sein Schicksal durch die Bemächtigung seines eigenen Verstandes selbst beeinflussen, wodurch die Vormachtstellung von Adel und Religion in Zweifel gerät. 

Obwohl sich Joseph von Eichendorff zu seinen Lebzeiten gegen die politische Dichtung aussprach, gilt »Das Schloss Dürande« als eines der Werke, in denen der Autor eine eindeutige politische Stellung bezieht und die Grundlagen der Aufklärung und der Revolution kritisiert. Unbestreitbar sind die Herkunft und der Ausbruch der Französischen Revolution (1789-1799) zentrale Themen der Novelle, die in Frankreich zu dieser Zeit spielt. Entsprechend wird sie in der gegenwärtigen Rezeption auch als „Revolutionsnovelle“ oder „politische Novelle“ bezeichnet. 

Die blutdurstigen und verkommenen Revolutionäre

Situation der Bauern

Eichendorff kam es vor allem darauf an, ein abschreckendes Bild der Revolutionäre zu zeichnen. Mit den realhistorischen Bedingungen haben seine Beschreibungen daher wenig zu tun. Der Autor greift weder die gesellschaftlich bedingten Motive und das politische Programm der Revolutionäre auf, noch stellt er die Heterogenität dieser Gruppe realistisch dar. Darüber hinaus setzen sich die Aufständischen im »Schloss Dürande« vor allem aus dem Pariser Bürgertum zusammen. Die armen Bauern hingegen scheinen weitgehend zufrieden zu sein und leiden offenbar erst unter den Folgen der Revolut...

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