Rezeption, Kritik und Adaption

Der ‚typische‘ Eichendorff

Eichendorff selbst zählte »Das Schloss Dürande« zu seinen besten Werken. Die Mehrheit der zeitgenössischen Rezipienten jedoch ignorierte wissentlich oder unwissentlich die politische Dimension der Novelle. Stattdessen richteten sie ihr Augenmerk auf die ‚romantischen‘ und ‚dramatischen‘ Motive, wie die Liebesgeschichte, Renalds Rachsucht oder die idyllischen Stimmungen und Landschaften. Daneben bemängelten zahlreiche Kritiker die ‚Wiederverwertung‘ bereits bekannter literarischer Elemente. Die deutsche bürgerliche Leserschaft konnte oder wollte nur das wahrnehmen, was ihrem Bild vom ‚typischen Eichendorff‘ entsprach. Politische Botschaften gehörten nicht dazu. 

Die erste Rezension erschien am 3. Oktober 1836 im »Berliner Conversationsblatt«. Der anonyme Rezensent merkte vor allem an, dass „der Inhalt […] an allerlei schon Verbrauchtes erinnert […]“. Ein anderer Beitrag formuliert es ähnlich: „Man copirt in der Dichtung wohl unbewußt sich selbst, daran kranken viele der spätern Schriften z.B. Jean Pauls, daran krankt auch diese Novelle.“, Quelle.

Viele Kritiker redeten einander nach dem Mund, ohne sich, so scheint es, ausführlich mit der Novelle beschäftigt zu haben. Ein treffliches Beispiel stellt eine anonyme Rezension in der Frankfurter Zeitschrift »Phönix« dar. Auch dieser Artikel spricht von Nachahmung und mangelnder Originalität. Daneben wiederholt er die bereits vielfach geäußerten ‚Eichendorff-Klischees‘, indem er den Dichter zwar als „vortrefflichen Landschafter“ lobt, der sich jedoch „über die Schilderung träumerischer Naturszenen nicht erheben“ könne. Auch der mangelnde Realitätsbezug findet sich hier als symptomatischer Kritikpunkt wieder: „Seine Figuren jagen wie Schattenbilder über die Szene und entbehren einer charakteristi...

Der Text oben ist nur ein Auszug. Nur Abonnenten haben Zugang zu dem ganzen Textinhalt.

Erhalte Zugang zum vollständigen E-Book.

Als Abonnent von Lektürehilfe.de erhalten Sie Zugang zu allen E-Books.

Erhalte Zugang für nur 5,99 Euro pro Monat

Schon registriert als Abonnent? Bitte einloggen