Historischer Hintergrund

Frankreich am Beginn der Revolution

Joseph von Eichendorffs Novelle »Das Schloss Dürande« erscheint im Jahr 1837. Damals führt die Julirevolution (1830) in Frankreich mit ihren Folgen in Deutschland zu einer erneuten Auseinandersetzung mit der Französischen Revolution (1789-1799). Dies mag ein Grund dafür sein, weshalb Eichendorff das Geschehen seiner Erzählung in diese Zeit verlegt. Die Handlung von »Das Schloss Dürande« beginnt im Sommer 1789 zu Beginn der Französischen Revolution und erstreckt sich bis zum Frühling 1790. Sie spielt in der Provence und in Paris.

Seit 1774 bekleidet Ludwig XVI die oberste Position im französischen Staat. Als absolutistischer Herrscher vereint er alle politischen Gewalten in sich und gilt als allmächtiger Stellvertreter Gottes auf Erden. 

Die französische Gesellschaft, der er vorsteht, ist bis zum Beginn der Französischen Revolution im Juli 1789 in drei Stände unterteilt. An der Spitze steht die Kirche, der Adel bildet den zweiten Stand. Zusammen repräsentieren Adel und Klerus knapp 2 Prozent der Gesamtbevölkerung, besitzen jedoch etwa 40 Prozent des französischen Bodens. 

Der dritte Stand, auch „Tier État“ genannt, umfasst die Großgrundbesitzer, Händler, Handwerker, Arbeiter und Bauern, die mit etwa 22 Millionen die größte Gruppe verkörpern. Im Gegensatz zu Adel und Klerus verfügt der dritte Stand trotz seiner Überzahl nur über sehr wenige Rechte und hat viele Pflichten zu erfüllen. Die Bauern und Bürger tragen die gesamte Steuerlast und müssen darüber hinaus Ernteerträge abgeben. 

Die ersten beiden Stände profitierten von der Wirtschaftsleistung und den Abgaben des dritten Standes. Während die Bauern von Hunger, Seuchen und Armut bedroht sind, leben die Adligen besonders am Königshof von Versailles im Luxus. 

Historische Bezüge in der Novelle

Im zeitlichen Verlauf der Erzählung treten einige Unstimmigkeiten in Bezug zum realhistorischen Kontext auf. Insgesamt hinkt die Novelle den geschichtlichen Ereignissen hinterher. Die Szenen in Paris zum Beispiel ereignen sich bei Eichendorff im Herbst 1789. Zu diesem Zeitpunkt war die Revolution jedoch bereits ausgebrochen (Sturm auf die Bastille 14. Juli 1789). Auch in der Provence begannen die Unruhen schon nach dem harten vorigen Winter im Frühling 1789. „Alle Städte der Provinz, Gemeinden und Dörfer sind in größter Trostlosigkeit. Überall greifen die Menschen die Geistlichen, die Adligen und die Bourgeoisie an.“ schrieb der königliche Intendant der Provence, Monsieur de la Tour, in einem Brief an Necker, den Generaldirektor für Finanzen von Ludwig XVI. am 30. März 1789.

Eichendorff ging es jedoch weniger um die historische Detailgenauigkeit als vielmehr darum, seine kritische Haltung zum Ausdruck zu bringen. Der Dichter verurteilte grundsätzlich die Idee der Revolution und verteidigte das bestehende politische und soziale System. Doch er übte auch scharfe Kritik am Ancien Régime, das seiner Meinung nach lebensfremd und rückständig regierte (vgl. Kapitel „Interpretation“, Abschnitt „Eichendorffs politische Haltung“). 

Die Novelle schildert vornehmlich die Auswirkungen der Französischen...

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