Autobiografische Bezüge

Hippolyt und die wahre Dichtung

Wie in anderen Werken Eichendorffs lassen sich auch im »Schloss Dürande« einige Parallelen zwischen dem Autor und seiner männlichen Hauptfigur erkennen. Hier ist es der junge Graf Hippolyt, dessen Entwicklung sich mit dem Leben des Dichters vergleichen lässt. Die Art und Weise, wie sich Hippolyts Gefühle gegenüber der schönen Gabriele verändern, lässt Rückschlüsse auf Eichendorffs Weg als Schriftsteller zu. 

Um diese Parallele zu verstehen, ist ein Blick auf die Interpretation des Werkes vonnöten. Auf einer höheren Bedeutungsebene verkörpert Gabriele demnach die ‚wahre Dichtung‘, während Hippolyt den ‚wahren Dichter‘ repräsentiert. Letzterer muss sich auf seiner Suche nach der ‚wahren Dichtung‘ erst einmal behaupten und zu seinem Vorteil verändern. 

Zunächst empfindet Hippolyt gegenüber Gabriele vor allem Leidenschaft und körperliches Verlangen, auch als Venusliebe bezeichnet. Später jedoch entwickeln sich seine Gefühle hin zu einer aufrichtigen und selbstlosen Marienliebe. Diese Wandlung vom Negativen zum Positiven lässt sich auch als erfolgreiches Streben nach der wahren Dichtung interpretieren (vgl. Kapitel „Interpretation“, Abschnitt „Die Rolle der Dichtung“).

Eine ähnliche Entwicklung hat Eichendorff selbst nach eigener Einschätzung durchlaufen. Ebenso wie Hippolyt bemühte auch er sich mit Leidenschaft um die wahre Dichtung. Dabei ließ er sich zunächst negativ durch seinen Dichterfreund Otto Heinrich Graf von Loeben beeinflussen. Erst später distanzierte sich der Autor von Loebens Dichtung und verarbeitete seinen künstlerischen Emanzipationsprozess in zahlreichen Werken.

Wie sein Protagonist Hippolyt erlag auch Eichendorff der Venusliebe – die im übertragenden Sinne den Anfechtungen und Verwirrungen der ‚falschen‘ Poesie entspricht – bevor ihm der glückliche D...

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