Symbole & Motive

Gewitter

Eichendorff nimmt im »Schloss Dürande« eine kritische Position gegenüber revolutionärem Handeln im Allgemeinen und der Französischen Revolution im Speziellen ein. Die brachiale und überwältigende Kraft des politischen Umsturzes vergleicht der Autor mit einer Naturgewalt. Genauer formuliert, drückt er diese im Motiv des Gewitters aus. Die Idee dazu entwickelte Eichendorff vermutlich durch den Einfluss seiner ehemaligen Professoren Joseph Görres und Friedrich Schlegel, welche die Revolution in ihren Vorlesungen mit dem Bild des Unwetters veranschaulichten.

Bereits zu Beginn der Novelle ist der „schwüle […] Sommerabend“ (S. 3) als erstes Vorzeichen der Revolution zu verstehen. Spätestens mit den Szenen in Paris verdichtet sich dann die Gewittersymbolik: „[D]er junge Graf Dürande hatte dort so viel Wunderbares gehört von den feurigen Zeichen einer Revolution, vom heimlichen Aufblitzen kampffertiger Geschwader, Jakobiner, Volksfreunde und Royalisten, dass ihm das Herz schwoll wie im nahenden Gewitterwinde. Er konnte es nicht länger aushalten in der drückenden Schwüle.“ (S. 21).

Kurz darauf findet Hippolyt noch einmal ähnliche Worte, um die Revolution zu beschreiben: „[…] rumor nur zu, spukhafte Zeit, mit deinem fernen Wetterleuchten über Stadt und Land […].“ (S. 22). Das hier als „Wetterleuchten“ bezeichnete Gewitter gleicht einem großen Unheil, das zunächst noch weit entfernt scheint und dennoch bereits drohend über allem schwebt. 

Wie es bei vielen Naturerscheinungen bei Eichendorff der Fall ist, so lässt sich auch diese auf den Gemütszustand einer Figur übertragen. Renald, der sich später zum unfreiwilligen Revolutionär entwickeln wird, zeigt bereits zu Beginn der Erzählung körperliche Erscheinungen, die an ein Gewitter erinnern: „Er zitterte am ganzen Leibe und auf seiner Stirn zuckte es zuweilen, wie wenn es von fern blitzte.“ (S. 5). Bei seinem Besuch in Paris ist es ähnlich: „Renalds Stirn zuckte wie fernes Wetterleuchten […] sein Gesicht verdunkelte sich immer mehr“ (S. 23). 

Später komplettiert Eichendorff das Gewittermotiv durch Bilder von Feuer und Hitze zu einer Höllenallegorie, um Renalds zunehmenden Wahn zu beschreiben: „In diesem Hinbrüten, wie wenn man beim Sonnenglanz die Augen schließt, spielten feurige Figuren wechselnd auf dem dunklen Grund seiner Seele: schlängelnde Zornesblitze und halbgeborne Gedanken blutiger Rache.“ (S. 27). In den genannten Beispielen umschreibt Eichendorff mithilfe der Gewittersymbolik Renalds revolutionäre Gedanken und seine damit einhergehende negative charakterliche Veränderung.

Je weiter die Geschichte voranschreitet, umso bedrohlicher wird die Wetterlage. Bei Renalds Rückkehr in die Heimat „bemerkte er […], dass es von fern überm Walde blitzte […]“ (S. 29). Am nächsten Tag „war der ganze Himmel gegen Morgen dunkelrot gefärbt; gegenüber aber stand das Gewitter bleifarben hinter den grauen Türmen des Schlosses Dürande […].“ (S. 33). Den Sturm auf das Schloss umschreibt Eichendorff vornehmlich mit der verwandten Feuermetapher. Beim Einsturz des Schlosses ist das Gewittermotiv dann wieder eindeutig erkennbar: „Da tat es gleich darauf einen furchtbaren Blitz und donnernd stürzte das Schloss hinter ihnen zusammen.“ (S. 48).

Feuer

Das Motiv des Feuers ist in der Novelle eng mit dem Gewittermotiv verknüpft. Beide Naturerscheinungen versinnbildlichen die Unberechenbarkeit und Zerstörungsmacht der Revolution. So bleibt es nicht aus, ...

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