Schauplätze

Provence

Eichendorff siedelt die Handlung seiner Novelle in Frankreich zur Zeit der Französischen Revolution an. Die Geschichte beginnt in einem Tal in der Provence nahe der Stadt Marseille. Gleich zu Beginn schildert der Dichter diesen Schauplatz in einer eindrücklichen Naturszene: „In der schönen Provence liegt ein Tal zwischen waldigen Bergen, die Trümmer des alten Schlosses Dürande sehen über die Wipfel in die Einsamkeit herein; von der andern Seite erblickt man weit unten die Türme der Stadt Marseille; wenn die Luft von Mittag kommt, klingen bei klarem Wetter die Glocken herüber […].“ (S. 3).

Die Eingangsbeschreibung beinhaltet bereits einige Unstimmigkeiten, die den Ort weniger realistisch erscheinen lassen. So stellt sich die Frage, welche Perspektive der imaginäre Betrachter hier einnimmt. Befände er sich in dem eingangs beschriebenen Tal, so läge das Schloss zwar über ihm, die „Türme der Stadt Marseille“, die sich „weit unten“ befinden, könnte er von seinem Standpunkt aus, der „zwischen […] Bergen liegt“, jedoch schlecht sehen. Andererseits entsteht der zuletzt genannte Blickwinkel „von der andern Seite“ aus, die jedoch nicht näher definiert wird. Fraglich ist auch, auf welcher Höhe das Schloss Dürande liegt, kann es doch über weitere „Wipfel“ schauen. Möglich ist, dass die Landschaft aus mehreren Anhöhen mit Hochtälern besteht.

Die unscharfe Ortsbeschreibung schlägt sich ferner im Gebrauch der Präpositionen nieder. So wirkt es seltsam, dass „die Trümmer des alten Schlosses über die Wipfel in die Einsamkeit“ hereinsehen, nicht hinaus. Auch die Formulierung „wenn die Luft von Mittag kommt“ ist deshalb uneindeutig, da sie zugleich eine zeitliche und eine räumliche Bestimmung angibt. Gleichfalls bleibt offen, von wo die Glocken „herüber“ klingen.

Im Anschluss daran beschreibt Eichendorff das im Tal liegende Jägerhaus und betont: „[…] man sah’s vor Blüten kaum, so überwaldet war’s und weinumrankt […]“ (ebd.). Ob das Haus nun aufgrund der Blüten, der Überwaldung oder des Weinlaubs nicht zu sehen ist, bleibt vage. Immerhin erweckt das Adjektiv „überwaldet“ den Eindruck, das Haus läge mitten im Wald. Wie aus späteren Stellen hervorge...

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