Florios Traum

Dramaturgische Funktion

Traumartige Zustände stießen bei den Romantikern deshalb auf großes Interesse, da sie Ausdruck des Unbewussten und Irrationalen sind und ihnen etwas Übernatürliches und Fantastisches anhaftet. Nicht zuletzt entspricht die Symbolsprache des Traumes dem bildhaften Stil der Romantik.

Zu Eichendorffs Zeiten wurden traumartige Erlebnisse häufig im Sinne einer Prophezeiung oder Warnung interpretiert. Darüber hinaus gab es bereits psychologische Ansätze der Deutung, die den Traum als Fenster zur menschlichen Seele verstanden. Aus literarischer Sicht sind Träume vor allem deshalb so interessant, weil sie dem Leser sowohl einen dramaturgischen Wissensvorsprung ermöglichen als auch einen tiefen Einblick in die träumende Figur vermitteln. 

In Eichendorffs »Marmorbild« spielt das Motiv des Traums eine bedeutende Rolle. Mit einer Ausnahme ist es auf den Protagonisten Florio und dessen Verblendung durch die verführerische Venus bezogen. Da ist von „Traumblüten“ (S. 24) die Rede, die Florios nächtlichen Ausflug in den Lustgarten beschreiben. Nach der rätselhaften Begegnung mit der Venus auf dem Maskenfest versinkt Florio „wie ein Fieberkranker in die wunderlichsten Träume“ (S. 34). Daneben beschreibt Eichendorff zahlreiche Wachträume des Protagonisten.

Herausragend jedoch ist ein ausführlich geschilderter Traum Florios, der sich in der ersten Nacht nach seiner Ankunft in Lucca unmittelbar vor der entscheidenden Begegnung mit dem Marmorbild ereignet. Es ist die erste Szene der Novelle, in welche der Protagonist die Ebene der Realität verlässt:

„da war es ihm, als führe er mit schwanenweißen Segeln einsam auf einem mondbeglänzten Meer. Leise schlugen die Wellen an das Schiff, Sirenen tauchten aus dem Wasser, die alle aussahen, wie das schö...

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