Rezeption, Kritik und Adaption

19. Jahrhundert

Die überwiegenden Reaktionen nach der Veröffentlichung des »Marmorbildes« im Jahre 1818 waren negativ. Die Leipziger »Zeitung für die elegante Welt« beschrieb das Werk in ihrer Ausgabe vom 15. Oktober 1818 als „hirnlose[n] Teufelspuk“, nach dessen Lektüre man sich „zerstreut und betäubt“ fühle. Das „bunte[ ], wirre[ ] Geflirre aus Zauberspuk und Feerei“, „mit Mondscheinduft und Lilienklang verwebt“ offenbare „eine blühende Phantasie, die leicht etwas recht Befriedigendes hätte schaffen können“, jedoch „an einen undankbaren Stoff verschwendet“ sei. 

Den Stoff kritisierte auch das Weimarer »Journal für Literatur, Kunst, Luxus und Mode« in einem Artikel vom Januar 1819. Demnach erzähle Eichendorff lediglich „die alte Mähre von der Frau Venus, die im Berge Hof hält, und junge Männer verlockt, und in’s Verderben reißt. Hier verstellt sie sich in mancherlei Gestalten, und geht es dabei ganz verwunderlich her.“ „Wer das Phantastische liebt, wird es mit Vergnügen lesen.“, so der Rezensent.

Etwas differenzierter äußerte sich der freie Schriftsteller Gottfried Cramer in der »Jenaischen Allgemeinen Literaturzeitung« vom März 1819. Zwar sei Eichendorffs »Marmorbild« „nach der neusten Schriftstellermode“ verfasst und „ein Teufelsspuck aus dem Heidenthume treibt darin sein unheimliches Wesen; jedoch bekunden einzelne schöne Züge der Erzählung ein tiefes, wahrhaft poetisches Gemüth.“ Man erhoffe sich mehr von dem vielversprechenden Autor, so Cramer. 

Der Schriftsteller Willibald Alexis nannte Eichendorffs Novelle einen „Gespensterspuk, ohne viel anderes als äußerliche Bedeutung“. Dennoch sei „das Talent des Dichters nicht zu verkennen“ Quelle. Bezeichnend ist Alexis‘ Lob für das „reichhaltige tief begründete Thema“ des »Marmorbildes«, das er jedoch nicht hinreichend verarbeitet sah. Der Kritiker selbst glaubte, es besser zu machen, und griff das Venusmotiv in seiner kurz darauf entstandenen Erzählung »Venus in Rom« (1828) auf.

Im gesamten 19. Jahrhundert überwogen die kritischen Beurteilungen. »Das Marmorbild« verfehlte offenbar den Zeitgeschmack einer eher konservativ geprägten Leserschaft...

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