Venus

Der Mythos der Venus

In der römischen Mythologie gilt die Venus als Göttin der Liebe, Sexualität und Fruchtbarkeit, die für den gesamten Bereich der Vegetation, darunter auch für den Frühling, zuständig ist. Über Jahrhunderte hinweg bildete sich ein ganzer Sagen- und Mythenkreis um die Venus. Eichendorffs Venusmotiv reicht vermutlich bis ins frühe Mittelalter zurück und erinnert vor allem an die Sage vom Minnesänger Tannhäuser (vgl. Kapitel „Epoche“, Abschnitt „Quellen“).

Um die sagenumwobene Venus rankt sich ein Mythos, der erst am Ende des »Marmorbildes« vollständig erzählt wird. Diese fiktive Geschichte besagt, dass der Geist der Schönen keine Ruhe gefunden habe und jeden Frühling in die Ruinen seines Tempels zurückkehre, um junge arglose Männer zu verführen (vgl. S. 46). Der Sage nach ist die Venus eine Art sündhafte Liebesfalle, die sich letztlich als Einbildung herausstellt.

In der Novelle wird die Verführung der Venus erstmals in einem Lied des Sängers Fortunato vorausdeutend erwähnt. in diesem Lied ist von den Verlockungen des Frühlings die Rede ebenso wie von einem Jüngling, der das Reich der Venus betritt und anschließend von einem Todesboten heimgesucht wird (vgl. S. 8 ff.).

Das zauberhafte Marmorbild

Im »Marmorbild« tritt die Venus in mehrfacher, wandelbarer Gestalt auf und ist nicht immer eindeutig als ein und dieselbe Figur erkennbar. Auch wird sie von Eichendorff bzw. seinem Erzähler unterschiedlich benannt. Allein einige wiederkehrende Merkmale machen es möglich, sie richtig zuzuordnen. 

Florio begegnet der attraktiven Venus erstmalig an einem verwunschenen Weiher nahe der italienischen Stadt Lucca. Die geheimnisvolle Dame erscheint dem Jüngling als eine wunderschöne, überaus lebendig wirkende Marmorstatue.

„Florio stand wie eingewurzelt im Schauen, denn ihm kam jenes Bild wie eine lang gesuchte, nun plötzlich erkannte Geliebte vor, wie eine Wunderblume […]. Je länger er hinsah, je mehr schien es ihm, […] als blühe Leben wie ein lieblicher Gesang erwärmend durch...

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