Florio

Der neugierige Jüngling

Florio verkörpert die Hauptfigur der Novelle »Das Marmorbild«. Sein sprechender Name leitet sich vom lateinischen Verb ‚florere‘, übersetzt ‚blühen‘, ab. Tatsächlich ist Florio, der als „junge [ ], blühende Gestalt“ (S. 6) beschrieben wird, mit einer Pflanze vergleichbar, die erst im Laufe der Handlung zu voller Blüte heranwächst.

Vermutlich hat sich der Autor durch die Figur Heinrich von Ofterdingen aus Novalis‘ gleichnamigen Roman zur Gestaltung des Florio inspirieren lassen. Eichendorffs Protagonist ist „ein junger Edelmann“ (S. 3) und demnach adliger Herkunft. Er ist „[a]uf dem Lande in der Stille“ (S. 4) aufgewachsen. Als kleiner Knabe versank der fantasievolle Florio oft in Tagträume: „Ich aber warf mich in das tiefe Gras und sah stundenlang zu, wie die Wolken über die schwüle Gegend wegzogen“ (ebd.). Seine Kindheit verbrachte der verträumte Florio häufig „in dem einsamen Lusthause“ des Gartens, in welchem er die „alten Bilder[ ]“ höfischer Szenen bewunderte (S. 39). Sein Vater wusste dazu „manch lustiges Abenteuer“ zu erzählen (ebd.). 

Das Treffen mit dem freundlichen Unbekannten

Im jungen Erwachsenenalter, also dem Zeitpunkt der Novellenhandlung, verlässt der abenteuerlustige Florio die heimatliche Enge. Er reist durch Italien, um Erfahrungen zu sammeln und das Leben kennenzulernen. 

Als der sorglose Florio auf die Tore der Stadt Lucca zureitet, gesellt sich ein fremder Reiter zu ihm. Die beiden Männer kommen ins Gespräch. Der freundliche Unbekannte hält den schüchternen Florio für einen Poeten, was diesen sehr beschämt: „»Ich habe mich wohl zuweilen in der fröhlichen Sangeskunst versucht, aber wenn ich dann wieder die alten großen Meister las […], komm ich mir vor wie ein schwaches, vom Winde verwehtes Lerchenstimmlein […].«“ (S. 3).

Der herzliche Fremde macht dem bescheidenen Dichter Mut. Doch als der redselige Florio ihm erzählt, wie ihn „der Frühling wie ein zauberischer Spielmann“ (S. 4) aus der Heimat in die Ferne lockte, spricht sein Begleiter eine Warnung aus. Jener Spielmann locke „die Jugend in einen Zauberberg“ (ebd.), so der Fremde. Der optimistische Florio versteht die Mahnung nicht und vergisst sie alsbald wieder.

Das erste Treffen mit Bianka

Die beiden Reiter landen versehentlich auf einem Freilichtfest vor den Toren der Stadt. Dort lässt der Fremde den abenteuerlustigen Florio allein. Auf seinem neugierigen Streifzu...

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