Ort

Italien 

Die Handlung des »Marmorbildes« spielt in Italien, genauer formuliert in der toskanischen Stadt Lucca. Mit der Auswahl des Schauplatzes befand sich Eichendorff unter seinen Zeitgenossen in guter Gesellschaft. Spätestens seit Goethes »Italienischer Reise« (1786) wurde die Italiensehnsucht zum weitverbreiteten Motiv in Literatur, Musik und bildender Kunst. In der Zeit der Romantik und der Klassik zog es viele Maler, Bildhauer, Komponisten und Dichter in das „Land, wo die Zitronen blühn“.

Goethes Reisebericht eröffnete zwei Perspektiven auf Italien: Die sinnlich-schwärmerische Wahrnehmung der Natur und das Interesse an antiker Kultur. Darüber hinaus prägte Goethe das Ideal der modernen Bildungsreise und verband das Reisen mit dem Zweck der Persönlichkeitsentwicklung. Er selbst wollte mit seiner Italienreise den Zwängen und Konflikten der Heimat entfliehen. 

Sowohl der Befreiungs- als auch der Entwicklungsgedanke finden sich auch bei Eichendorff. Dessen Protagonist Florio konstatiert: „Ich habe jetzt […] das Reisen erwählt, und befinde mich wie aus einem Gefängnis erlöst, alle alten Wünsche und Freuden sind nun auf einmal in Freiheit gesetzt.“ (S. 4). Nicht zuletzt reift Florio auf seiner Italienreise vom unbedarften Jüngling zum Mann heran (vgl. Kapitel „Epoche“, Abschnitt „Merkmale des Entwicklungsromans“). 

Auch Eichendorff selbst erlebt die Arbeit am »Marmorbild« als erlösende Flucht aus dem Alltagsgeschehen hinein in „einen fremden Himmelsstrich“ (vgl. Kapitel „Epoche“, Abschnitt „Entstehung“). Bemerkenswerterweise war der Schriftsteller selbst nie in Italien, obschon viele seiner Werke dort angesiedelt sind. Die nötigen...

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