Träume und Erkenntnisse

Wirklichkeit und Wünsche

Am Anfang des Romans verliert Doris ihre Arbeit als Schreibkraft bei einem Rechtsanwalt (S. 15) und auch ihre Eltern verfügen nur über wenig Geld und können sie daher nicht unterstützen (S. 4). Trotz der überwiegend schwierigen Lebensbedingungen strebt die junge Frau nach einem luxuriösen Leben. Geld hat eine große Bedeutung für sie, die „weiter will und Ehrgeiz hat“ (S. 5): „Ich hatte einen angenehmen Tag, weil der Letzte ist und Geldkriegen einem mit am meisten gut tut, …“ (ebd.). Sie fühlt und charakterisiert sich selbst als etwas Besonderes und Großartiges, das sie von ihren Arbeitskolleginnen unterscheidet. Sie träumt davon, ein Glanz“ zu werden (siehe dazu Analyse „Motive“), und möchte ihr Leben wie das eines Filmstars führen

Die narzisstische[2] Doris träumt von Glamour, Anerkennung und Luxus und betrachtet in dem Zusammenhang mit Bewunderung und Neid eine reiche Dame: „Am Tisch nebenan saß eine wunderbare Dame mit ganz teuren Schultern und mit einem Rücken – ganz von selbst gerade, und ein so herrliches Kleid – ich möchte weinen – das Kleid war so schön, weil sie nicht nachdenken braucht, woher sie’s bekommt, das sah man dem Kleid an. Und ich stand auf der Toilette neben ihr, und wir sahen zusammen in den Spiegel – sie hatte leichte weiße Hände so mit vornehmem Schwung in den Fingern und sichere Blicke – so gleichgültig nebenbei – und ich sah neben ihr so schwer verdient aus. (…) Sie war so weich und grade gebadet.“ (S. 27f).

Die Protagonistin verdrängt ihre prekäre gesellschaftliche Lage und versucht, sich durch Affären mit vermögenden Männern, die sie aushalten, das ersehnte Luxusleben in ihrer Heimatstadt zu „erkaufen“. Nach ihrer enttäuschenden ersten großen Liebe mit Hubert offenbart sie den Lesern*innen ihre wahren Gefühle, denn tief in ihrem Inneren weiß sie genau, dass Geld allein nicht glücklich macht: „Trotzdem mir damals olle vergammelte Ölsardinen mit Hubert auf seiner Bruchbude besser geschmeckt haben als todschickes Schnitzel toll garniert mit Käsemann in ausgesprochen feudalen Restaurants. Von mir aus hätte es auch bei Ölsardinen bleiben können.“ (S. 11).

Statistin am Theater

Doris‘ schmutziger Trick 

Als Doris nach einem Streit mit ihrem Chef in der Anwaltskanzlei fristlos gekündigt wird, vertraut sie sich ihrer Mutter an (S. 15). Die Garderobiere nutzt ihre Beziehungen und kann Doris eine unbezahlte Stelle als Statistin im Theater vermitteln (S. 17). Obwohl die Protagonistin im Vorspiel zu Schillers Drama „Wallenstein“ lediglich mit einer Gruppe von Mädchen über die Bühne laufen soll, verkündet sie dem Leser großspurig: „ich bin jetzt Künstlerin.“ (S. 17).

Doris hofft, möglichst schnell auch größere Rollen zu bekommen und in der Hierarchie des Theaters aufzusteigen: „bei den Tiefsten bleibe ich nicht. Und je mehr einer zu sagen hat auf der Bühne, umso mehr ist er, es kommt alles darauf an, auf dem Zettel zu stehn, und dazu muss man was sprechen.“ (S. 20). Um eine kleine Sprechrolle zu ergattern und so ihre Karriere voranzutreiben, greift Doris zu einer gemeinen List: Vor einer Probe zu Wallenstein sperrt sie die Schau...

Der Text oben ist nur ein Auszug. Nur Abonnenten haben Zugang zu dem ganzen Textinhalt.

Erhalte Zugang zum vollständigen E-Book.

Als Abonnent von Lektürehilfe.de erhalten Sie Zugang zu allen E-Books.

Erhalte Zugang für nur 5,99 Euro pro Monat

Schon registriert als Abonnent? Bitte einloggen