Erzählltechnik

Der Ich-Erzähler Ewald Mittermeier

„Das Austauschkind“ wird durchgängig aus der Ich-Perspektive des dreizehnjährigen Ewald Mittermeier heraus erzählt. Er hält im Roman die Ereignisse eines Sommers fest, die er selbst erlebt hat: „Was ich niederschreibe, ist, wenn ich meinen Deutschlehrer richtig verstanden habe, ein so genannter ‚Erlebnisbericht‘, weil ich es wirklich erlebt habe.“ (S.5). 

Der Ich-Erzähler gibt jedoch gleich zu Beginn des Romans zu, „im Berichten von aufregenden Ereignissen“ kaum geübt zu sein (vgl. S.5) und das „Niederschreiben von Aufregungen“ (S.5) deshalb nicht gut zu beherrschen. In der Tat muss er sich bereits zu Beginn seiner Aufzeichnung korrigieren, als er bemerkt, dass die Geschichte, von der er erzählen will, schon fünf Wochen früher begonnen hat, als er angekündigt hat (vgl. S.6).

Ewald setzt sich den Vorsatz, die Geschichte, von der er berichten will, möglichst kurzgefasst zu erzählen. Allerdings zweifelt er daran, diese Aufgabe bewältigen zu können: „Ob mir das gelingt, weiß ich allerdings nicht, da die sechs Wochen, von denen ich berichten will, sehr ereignisreich und recht aufregend für mich und meine Familie waren.“ (S.5). Noch im ersten Kapitel „Alles, was vorher geschah“ rügt er sich in einem Kommentar selbst dafür, mit einem Exkurs von der eigentlichen Geschichte abgewichen zu sein: „Aber nun bin ich total von der Geschichte, die ich kurz gefasst erzählen will, abgeschwiffen.“ (S.21). 

Auch offenbart der Ich-Erzähler den Lesern*innen die Gedanken hinter seinem Schreibprozess: „Es ist zu langweilig und zu mühsam, jetzt Rede von Peter und Gegenrede von mir detailgetreu wiederzugeben. Nach einer halben Stunde Herumfahren im Supermarkt jedenfalls war mir vieles sehr klar, und zwar kurz gefasst Folgendes:“ (S.102)

Da Ewald der Erzählung durch die Ich-Perspektive seine ganz eigene Stimme verleiht, spiegelt die Erzählung gleichzeitig seinen Charakter wider. Seine anfänglichen Selbstzweifel an seinem erzählerischen Talent lassen auf einen schüchternen, selbstkritischen und reflektierten Jugendlichen schließen, seine Wortneuschöpfungen auf eine kreative A...

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