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Rezension

Neun Kurzgeschichten, die zu großen Teilen ineinander verwoben sind, bilden Daniel Kehlmanns Roman Ruhm. Das Konzept der miteinander vernetzten Episoden ist zwar nicht neu, aber Kehlmanns Umsetzung ist brillant. Der Schriftsteller beweist sein großes Schreibtalent, indem er verschiedenste Stilarten und komplett unterschiedliche Erzählweisen für seine oft desillusionierten Figuren verwendet. Sogar ein spezielles Internet-Kauderwelsch hat er entwickelt, um die Ausdrucksweise des Bloggers Mollwitz wiederzugeben, der sich mit seiner Muttersprache ziemlich schwertut.

Ruhm beschreibt verschiedenste Stimmungen und Milieus: Die erfundene Geschichte einer pensionierten todkranken Lehrerin läuft zum Beispiel neben dem „wahren“ Leben dreier Autoren, der eine lebt in Brasilien, einem Elektroingenieur oder einem Blogger. Die neun Episoden sind stellenweise tragisch, stellenweise komisch gestaltet. Sie enthalten philosophische Überlegungen und erschreckende Ideen – wie den Gedanken, in einem fremden Land durch eine Reihe von Zufällen komplett verloren zu gehen. Thematisch wird der Roman durch den Verlust des Ichs, die Effekte moderner Kommunikationstechnik auf menschliche Beziehungen und eben den titelgebenden Ruhm und seine Schattenseiten geprägt.

Der vielleicht interessanteste Aspekt des Romans ist das Spiel des Autors mit den Ebenen der Realität und der Fiktion. Im...

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