Merkmale des Postmodernismus im Werk

Der Entstehungszeit des Romans „Ruhm“ (2009) zufolge wäre er der literarischen Epoche des Postmodernismus zuzuordnen. An vielen Merkmalen lässt sich feststellen, dass der Roman auch inhaltlich und formal zu dieser Strömung gehört.

Für die postmoderne Literatur sind persönliche, kleinere Geschichten, die nicht historisch fundiert sind, sondern eher von kürzeren Lebensabschnitten handeln, typisch. Kehlmanns neun Geschichten tun genau das: Sie portraitieren in kurzen Erzählungen verschiedene Figuren in außerordentlichen Situationen, ohne dass die Handlung Jahre überschreitet oder das historische Weltgeschehen dargestellt wird. Leo Richter als zentrale Figur ist ein typisch postmoderner Protagonist: Er ist zwar berühmt, doch aufgrund seiner komplizierten Bedürfnisse und seiner Abneigung den meisten Menschen gegenüber verkörpert er eher einen Außenseiter.

Kehlmann präsentiert in seinem Episodenroman unterschiedliche postmoderne Erzählertypen– einerseits den unzuverlässigen Erzähler, welcher durch Mollwitz repräsentiert wird: Dieser vertritt eine völlig unrealistische Auffassung der Welt um sich herum und gibt die Geschehnisse aus seiner Perspektive ungefiltert wieder. Daneben kann man in Leo Richter den steuernden Erzählertypen erkennen, der die Geschichte um seine Figur Rosalie ganz bewusst lenkt und dies dem Leser auch verdeutlicht: „Ich sollte wohl erwähnen, dass ich Herrn Freytag erfunden habe“ (S. 53).

Kehlmann benutzt in verschiedenen Geschichten ganz unterschiedliche Stilmittel – einen starken Kontrast stellt z. B. die holperige Sprache der aus der Ich-Perspektive erzählten Geschichte des Bloggers Mollwitz dar („Ein Beitrag zur Debatte“), die im Gegensatz zu einer an Kitsch grenzenden, poetischen Sprache steht, mit welcher der Alltag des reichen Autors Miguel Auristos Blancos in „Antwort an eine Äbtissin“ geschildert wird.

Der Roman bekommt durch seine unterschiedlichen Ansätze und Erzählweisen einen typisch-postmodernen Hybridcharakter. Die enorme Hässlichkeit, welche sowohl die Figur Mollwitz als auch sein trostloses Leben kennzeichnet, bildet einen Kontrast zum poetischen Happy End, welches der Autor Leo Richter seiner F...

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