Merkmale des Magischen Realismus im Werk

Beschreibung des magischen Realismus

Die literarische Strömung des magischen Realismus stammt aus dem Europa der 1920er Jahre und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg auch in Südamerika populär. Die Strömung betrifft neben der Literatur auch die Malerei.

Die Werke des magischen Realismus verbinden realistische Handlungen mit fantastischen, sozusagen „magischen“ Elementen, durch die mystische Geschichten entstehen. Der Hauptanteil der Handlung ist dabei realistisch, doch die „Wirklichkeit“, wie wir sie kennen, wird mithilfe einiger irrealer Teile verfremdet. Diese Teile sind seltsame, unerklärbare oder geheimnisvolle Geschehnisse oder symbolische Elemente, welche nicht wirklich passieren könnten. Sie können vom menschlichen Geist erdacht werden und die Fantasie bestimmt die Handlung.

Dabei geht es im magischen Realismus nicht unbedingt darum, den Rezipienten zu verstören, wie z. B. im Surrealismus. Es geht auch nicht darum, die allgemeine Wahrheit infrage zu stellen. Die magischen Elemente sind einfach ein Mittel, um die Handlungs- und Darstellungsebenen zu erweitern. Die Wirklichkeit kann so neu interpretiert werden. Dem Leser wird eine neue Weltsicht geboten.

Im magischen Realismus werden die irrealen Elemente nicht als solche betont und herausgestellt. Sie sind einfach ein Teil der Handlung, gehören wie selbstverständlich zur Realität. Heute ist der magische Realismus in der Literatur eine geistreiche Möglichkeit für Schriftsteller, besonders interessante Werke, die mit der Verschmelzung von magischen und realistischen Elementen spielen, zu erschaffen. Ruhm ist ein populäres Beispiel für ein solches zeitgenössisches Werk.

Der Hauptanteil der Handlung von Ruhm ist zwar realistisch gestaltet, jedoch mit irrealen Teilen und Elementen durchmischt. Hier wird mit der Verbindung von wirklicher und fantastischer Welt gespielt. Teilweise brechen die Figuren durch die Aufhebung der Grenzen zwischen Realität und Fiktion aus ihrem Leben aus. Durch die erweiterten Möglichkeiten, welche die magischen Elemente bieten, können die Figuren ihre kleine Lebenswelt verlassen und bekommen mehrere Möglichkeiten eingeräumt. Dabei treten manche Figuren auf unterschiedlichen Ebenen auf: Sie verkörpern Nebenfiguren in einer Geschichte und Hauptfiguren in einer anderen – oder sie sind eine „reale“ Figur in einer Geschichte und in einer anderen sind sie ein Teil einer fiktiven Welt.

Rosalie geht sterben

In der Geschichte über die Seniorin Rosalie, die sich todkrank auf die Reise in ein Schweizer Zentrum für Sterbehilfe macht, geschieht Seltsames, Unerklärbares oder Geheimnisvolles. Die Geschichte wird vom Autor Leo Richter, einer Figur, die in der Geschichte „In Gefahr“ vorgestellt wird, geschrieben. Während er die Geschichte „Rosalie geht sterben“ schreibt und somit erzählt, beginnt die literarische Figur Rosalie, mit ihm zu sprechen (S. 55). Sie diskutiert mit ihm und versucht, ihn davon zu überzeugen, sie am Leben zu lassen. Dies allein ist natürlich ein nicht realistisches Element in der Erzählung: Nämlich die Tatsache, dass eine literarische Figur sich sozusagen verselbstständigt.

In Rosalies Geschichte taucht außerdem plötzlich ein Mann auf, von dem der Autor Leo selbst nicht weiß, wer er ist, was eine sehr mystische Überraschung darstellt. Diese Figur, ein seltsamer dünner Mann mit Hornbrille und einer knallroten Schirmmütze, bietet Rosalie eine Mitfahrgelegenheit an. Der gleiche Mann taucht auch in der Geschichte „Wie ich log und starb“ auf. Hier bietet er dem Abteilungsleiter, dem Protagonisten dieser Kurzgeschichte, eine Mitfahrgelegenheit an (S. 185). Allerdings ist die Geschichte „Wie ich log und starb“ keine „Geschichte in der Geschichte“, so wie „Rosalie geht sterben“. Das heißt, hier tritt eine Figur in zwei Geschichten auf, die sich auf unterschiedlichen Ebenen abspielen – auf der „fiktiven“ und auf der „realen“ Ebene. Diese Verbindung ist wiederum sehr magisch.

Dazu kommt, dass Leo Richter sich am Ende von Rosalie überzeugen lässt, sie in eine gesunde, hübsche Zwanzigjährige (S. 75 f.) zu verwandeln und ihr somit ein Happy End zu schenken, das sich niemals wirklich ereignen könnte. Die „Geschichte in der Geschichte“ ist also sehr magisch gekennzeichnet.

Magische Elemente in anderen

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