Verführung, Fantasie und Liebe

Virtuelle Verführung

Glattauer erzählt eine Liebesgeschichte, die sich ausschließlich auf der Grundlage von E-Mails abspielt. Die Hauptfiguren wissen nur das voneinander, was sie sich geschrieben haben. Eine Ausnahme bildet Leo, als er durch seine Treffen mit Mia Informationen über Emmi erhält. Die Hauptfiguren haben sich noch nie persönlich getroffen und kennen nur ihre Stimmen von ein paar Sätzen, aufgenommen mit der Mailbox des Anrufbeantworters (S. 174).

Somit spielt die Fantasie bei der Korrespondenz zwischen Leo und Emmi eine bedeutende Rolle. Schon zu Beginn ihres Schriftwechsels stellt sich Leo unter Emmi eine kleine, energievolle Person vor, welche „kurze, dunkle Haare“ besitzt(S. 14). Zugleich sind beide sich der Bedeutung ihrer Vorstellungskraft bewusst. Leo schreibt dazu: „Wir erzeugen virtuelle Fantasiegestalten, fertigen illusionistische Phantombilder (…)“ (S. 19).

Leo und Emmi interessieren sich nicht nur für das Aussehen ihres jeweiligen Schreibpartners, sondern versuchen auch, seinen/ihren Charakter einzuschätzen. Dabei entwickelt sich eine vorsichtige Annäherung, bei der sich beide ihre Zuneigung offenbaren. Emmi macht Leo ein Kompliment, als sie schreibt: „Ich finde es spannend, dass Sie sich so auf einen Menschen einlassen können, den Sie gar nicht kennen, den Sie noch nie gesehen haben (…) Das ist ganz atypisch männlich, und das schätze ich an Ihnen“ (S. 15).

Auch Leo gesteht Emmi sein Interesse: „Sie, diese gewisse Emmi mit Schuhgröße 37, beginnt mich schön langsam mehr zu interessieren, als es dem Rahmen, in dem ich mich mit ihr unterhalte, entspricht (S. 17). Leo weiß, dass Emmi „glücklich verheiratet“ (S. 30) ist. Daher verhält er sich zurückhaltend und äußert seine Zuneigung zunächst nur indirekt: „Das Fantasiebild von Ihnen gefällt mir außerordentlich gut, sonst würde ich nicht so oft daran denken, liebe Emmi“ (S. 37).

Emmi ist die treibende Kraft in dem E-Mail-Austausch. Sie gesteht Leo schon bald sehr direkt ihre Zuneigung und möchte auch sein Aussehen kennenlernen: „Ich mag Sie. Sehr sogar! Sehr, sehr, sehr! Und ich kann einfach nicht glauben, dass Sie mich nicht sehen wollen. (…) Aber ich würde zum Beispiel schon gerne wissen, wie Sie aussehen“ (S. 32).

Treffen ohne Erkennen

Um Emmi nicht zu enttäuschen, schlägt Leo ihr ein „verrücktes Spiel“ (S. 33) vor: Beide halten sich zur gleichen Zeit im Café Huber auf, ohne sich dem anderen zu erkennen zu...

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