Gesundheitsdiktatur

Ungesundes verboten

Kramers Buch „Gesundheit als Prinzip staatlicher Legitimation“ dient der Methode als Grundlage ihrer Ideologie. Jeder Bürger ist dazu verpflichtet, dafür zu sorgen, dass sein Körper gesund und leistungsfähig bleibt.  Auf diese Weise ist es der Methodengesellschaft gelungen, die Krankheiten auszurotten und allen Menschen ein Leben frei von Schmerzen und körperlichen Einschränkungen zu garantieren.

Um diesen Zustand weiter aufrechtzuerhalten, müssen die Bürger des Überwachungsstaats strenge Auflagen erfüllen. So ist der Konsum von „toxischen Substanzen“ (S. 14),  wie Alkohol und Nikotin, verboten und sogar der Genuss von Kaffee wird bereits als Bagatelldelikt eingestuft (S. 13). Die Menschen trinken heißes Wasser (S. 32) und dürfen sich aufgrund der Ansteckungsgefahr weder küssen (S. 65) noch sich zur Begrüßung die Hand geben (S. 30).

Die öffentlichen Räume sind keimfrei (S. 13) und haben eine konstante Raumtemperatur von 19,5 Grad „weil der Mensch bei dieser Temperatur am besten denken kann“ (S. 12). Zudem muss jeder Bürger zur Erhaltung seiner Fitness ein vorgegebenes Pensum auf dem Hometrainer absolvieren (S. 79). Sogar die Partnerwahl unterliegt vorgeschriebenen gesundheitlichen Aspekten. Der Mensch darf eine Beziehung nur mit solchen Partnern führen, die das gleiche Immunsystem besitzen (S. 112).

Glück und Unglück

Ähnlich wie Sport und gesunde Lebensweise hat die Methode auch präventive Maßnahmen zur Pflicht erhoben. Richterin Sophie verhandelt zu Beginn des Romans einen Fall, bei dem ein Vater  die „Untersuchungspflichten“ zur „Krankheitsfrüherkennung bei Säuglingen“ nicht eingehalten hatte (S. 14).

Auf diese Weise verbietet die Regierung ihren Bürgern, Werte und Gefühle, wie Genuss, Liebe und Selbstbestimmung, zu leben. Die Menschen müssen für ein störungsfreies und verlängertes Leben große Opfer bringen. Da die Gesundheitsdiktatur den Gemeinschaftsgedanken zur Pflicht erhoben hat, kann sich niemand ungestraft den Vorschriften widersetzen. Das System lässt keinen Raum für die persönliche Freiheit des Einzelnen.

Mias Bruder Moritz hatte erkannt, dass zum Genuss wahrer Lebensfreude immer zwei Seiten gehören. Die Menschen, die Krankheiten nicht kennen, wissen auch die Gesundheit nicht richtig zu schätzen. Morit...

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