Das Gericht

Justitia

Dem Gericht mit seinen Mitarbeitern wird in Corpus Delicti eine zentrale Bedeutung beigemessen. Dies zeigt sich gleich zu Beginn des Romans, als im zweiten Kapitel die Verkündung des Urteils gegen Mia vorweggenommen wird (S. 10). Dann beginnt die Geschichte mit einer Gerichtsverhandlung, bei der auch Mias Verstöße gegen die Meldepflicht verhandelt werden (S. 18). Die anfängliche Güteverhandlung gegen Mia wandelt sich zu einem Strafprozess, der die gesamte Handlung durchzieht. Sie endet im vorletzten Kapitel wiederum mit dem Urteil (S. 259).

Die Autorin hat dieses vorletzte Kapitel „Siehe oben“ genannt. Auf diese Weise weist sie darauf hin, dass die juristische Entscheidung im Überwachungsstaat der Methode schon von Anfang an bereits feststeht. Das Spiel ist eine Schmierenkomödie: Das Gericht steht – wie dies in Diktaturen üblich ist – ganz unter dem Einfluss der Regierung. Daher werden auch ihre Urteile im Sinne der Methode gefällt.

Gerichtsverhandlung als Farce

In der letzten Verhandlung wird Mia verurteilt, obwohl sie unschuldig ist. Bei der Urteilsbegründung beruft sich das Gericht auf eine fingierte Befragung mit falschen Zeugen und gefälschten Beweisen (S. 217/218). Als Hutschneider die Urteilsformel vorlesen will, hat er sie bereits schriftlich vorbereitet: „Er zieht einen Zettel aus der Akte, von dem angenommen werden muss, dass er schon vor der Verhandlung geschrieben wurde“ (S. 258).

Der Vorgang verdeutlicht die Absurdität eines Verfahrens, bei dem es nicht um die Rechtsprechung geht, sondern um die Wahrung der vorgegebenen Ordnung. Als Sophie im Prozess gegen Mia ihre menschliche Seite zeigt und Rosentreters Wiederaufnahme des Falls Moritz zulässt, unte...

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