Parabel

Definition

Der Roman Corpus Delicti wird von vielen Rezensenten als Justizdrama, häufig aber auch als Parabel bezeichnet. Unter einer Parabel (Altgriechisch=Gleichnis) versteht man ursprünglich eine kurze Erzählung, welche eine didaktische Absicht verfolgt. Dabei hat die beschriebene Handlung eine übertragene Bedeutung, die aber in der Regel nicht explizit formuliert wird. Die Geschichte funktioniert wie ein Gleichnis und soll den Leser zum Nachdenken anregen.

Die Parabel zeichnet sich durch eine bildhafte Sprache aus. Sie kann Metaphern, Allegorien, Personifizierungen, Vergleiche und das Stilmittel der Ironie verwenden. Anders als die Fabel, welche die Absicht verfolgt, den Leser zu belehren, versteht sich die Parabel eher als eine Anregung: Indem sie durch ein Gleichnis indirekt auf Missstände hinweist, versucht sie, den Leser zu einer Stellungnahme zu bewegen. Bekannte Beispiele für Parabeln in der Literatur sind zum Beispiel Die Physiker von Dürrenmatt, Biedermann und die Brandstifter von Max Frisch oder auch Also sprach Zarathustra von Friedrich Nietzsche.

Die Parabel ist eine kurze und lehrhafte Erzählung, die eine verschlüsselte Aussage in sich verbirgt.  Bei der Interpretation unterscheidet man zwischen der Bild- und der Sachebene. Die Bildebene beschreibt den Text, wie er auf der Oberfläche aussieht, und die Sachebene oder Bedeutungsebene schildert den Sinn der Erzählung, also  das, worauf der Text verweisen will. Die Bildebene und die Sachebene sind wesentliche Merkmale einer Parabel.

Sachebene

Seit Beginn der Moderne des 20. Jahrhunderts prägt die Darstellungsform der Parabel neben der Erzählung auch andere literarische Gattungen, wie zum Beispiel das Drama oder den Roman. Auch der Roman Corpus Delicti beinhaltet einige für eine Parabel typische Elemente. Die im Vordergrund stehende Handlung enthält zugleich eine übertragene Bedeutung.  Juli Zeh beschreibt den durch die Methode vorgegebenen Gesundheitswahn, ohne ihn zu bewerten.

Die Autorin veranschaulicht, wie durch die Verbote von Alkohol und Nikotin sowie obligatorische Fitnessprogramme Genuss und Lebensfreude auf der Strecke bleiben. Mit Moritz beschreibt Zeh die einzige Figur des Romans, die sich den Auflagen der Methode von Anfang an widersetzt: Er genießt die Natur und isst Fische anstelle von Protein-Konserven (S. 91). Moritz hat erkannt, dass wahres Lebensglück nur im Wechsel von positiven und negativen Aspekten erfahrbar und zu finden ist. Zu Mia sagt er: „Der Mensch muss sein Dasein erfahren. Im Schmerz. Im Rausch. Im Scheitern. Im Höhenflug“ (S. 92).

Seine Äußerungen verdeutlichen, wie wichtig es ist, ein freies und selbstständig denkendes Individuum zu bleiben. Als Moritz mit Mia bei einem ihrer Spaziergänge das Sperrgebiet verlässt und in den Wald gehen will, sagt er: „Das Nicht-Verlassen des Hygienegebiets wird jedoch als Idiotie ersten Grades mit äußerer Versteinerung und innerer Totalverblödung ...

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