Charakterisierung Mia Holl

Die systemtreue Einzelgängerin

Mia Holl ist 34 Jahre alt (S.85) und die Hauptfigur des Romans. Ihre äußere Erscheinung wird wie auch die der anderen Romanfiguren nur sehr knapp beschrieben. Demnach hat sie „helle Augen“, ein „intelligentes Gesicht“, eine etwas zu große Nase sowie einen „weichen Mund“ (alles S.51). Mia besitzt außerdem eine „zierliche Figur“ (S.216). 

Obwohl sie den knappen Beschreibungen zufolge sicher recht hübsch aussieht, hat Mia zu ihrem eigenen Körper ein negatives Verhältnis: „Ihren Körper hat Mia nie geachtet oder gar geliebt“ (S.79). Getreu den Regeln der Methode hat Mia eine rationale Auffassung hinsichtlich ihres Körpers, der der Nahrungsaufnahme sowie der Fortbewegung dienen soll und reibungslos funktionieren muss (ebd.).

Mia ist eine „erfolgreiche Biologin mit Idealbiographie“ (S.19). Sie ist gesund und führt ein sozial unauffälliges Leben (ebd.). Bei der Hauptverhandlung bezeichnet sie sich selbst als ungefährlich und Anhängerin der Methode (S.160). 

Mia hat einen sieben Jahre jüngeren Bruder. Er heißt Moritz und hat sich vor nicht langer Zeit im Gefängnis erhängt, nachdem er wegen des Sexualmords an Sibylle Meiler verurteilt worden ist. Über Mias sonstige Herkunftsfamilie erhält der Leser keine Informationen. 

Sozialer Rückzug

Mia lebt allein. Sie lebt zurückgezogen und hat keinen Freundes- oder Bekanntenkreis: „Sie braucht Zeit und Raum für sich selbst und ihre Gedanken“ (S.146). Aufgrund ihres Alleinseins führt Mia häufig lange Selbstgespräche. Diese werden in Form von Zwiegesprächen mit der idealen Geliebten, einer Fantasiefigur, dargestellt. Sie beschreibt Mia als eine Außenseiterin und zugleich als eine Hexe (S.144). 

Mia wohnt zusammen mit drei anderen Frauen, Lizzie, Driss und Pollsche, in einem Wächterhaus. Sie hat  die oberste Wohnung (S. 23, 64). Während die Nachbarinnen oft im Treppenhaus miteinander tratschen (S.20), vermeidet Mia den Kontakt: „An manchen Tagen horcht sie ins Treppenhaus, ob alles still ist, bevor sie die Wohnung verlässt“ (S.146). Zudem nahm Mia kaum am gesellschaftlichen Leben teil: „Nach der Arbeit geht sie nach Hause statt zur Gemeinschaftsaktivität“ (S.146). 

Mias einziger regelmäßiger Kontakt bestand zu ihrem Bruder Moritz, mit dem sie sich regelmäßig traf (S. 90). Sie führten lange Gespräche und tauschten sich auch über philosophische sowie politische Themen aus (S.92ff.). Moritz verkörperte das Idealbild, welches Mia von einem Menschen besitzt: „Eigentlich mag Mia nur Leute mit Verstand und dem Willen, diesen möglichst effizient einzusetzen“ (S.72).

Tragische Geschwisterliebe

Vor dem Tod von Moritz ging Mia jede Woche mit ihrem Bruder spazieren (S.90). In ihren Gesprächen kam es wegen der unterschiedlichen Ansichten oft zum Streit (ebd.). Doch obwohl Moritz ganz im Gegensatz zu seiner Schwester ein Gegner des Systems war und dessen Regeln bewusst missachtete, pflegten bei...

Der Text oben ist nur ein Auszug. Nur Abonnenten haben Zugang zu dem ganzen Textinhalt.

Erhalte Zugang zum vollständigen E-Book.

Als Abonnent von Lektürehilfe.de erhalten Sie Zugang zu allen E-Books.

Erhalte Zugang für nur 5,99 Euro pro Monat

Schon registriert als Abonnent? Bitte einloggen