Sprich aus der Ferne Interpretation

Einleitung, Metrik und Aufbau

Das Gedicht "Sprich aus der Ferne" von Clemens Brentano steht in dem ersten Teil des  Romans "Godwi oder das steinerne Bild der Mutter", der  mit Unterbrechungen zwischen 1798 bis 1801 verfasst und im Jahr 1801 unter dem Pseudonym Maria veröffentlicht wurde. Es erscheint in einer Tagebuch-Passage, welche der junge Baron Karl Godwi, der Sohn eines Bankiers aus Frankfurt, geschrieben hat. Godwi berichtet von einem Treffen mit Otilie, der Freundin seines jungen Bekannten Juduno. Otilie lebt mit ihrem greisen Vater auf einer Burg.

Die freundliche junge Frau spaziert nun neben Godwi, während sie ruhig die neun Strophen des Liedes „Sprich aus der Ferne“ singt. Sie erzählt im Gesang von ihrer Entfremdung und von ihrer Verbindung zu der heimlichen oder auch "heiligen" nächtlichen Welt.

Das Gedicht setzt sich aus neun Strophen zu je vier Versen zusammen, von denen die Strophen eins, drei, fünf, sieben und neun in der Form von kurzen Refrains geschrieben worden sind und die Strophen zwei, vier, sechs und acht als lange Strophen zu bezeichnen sind . Die Refrains bestehen aus vier bis fünf Silben je Verszeile, die wiederum zwei Hebungen aufweisen. Die Verszeilen der langen Strophen beinhalten neun bis elf Silben und vier bis fünf Hebungen. Ein festes Metrum lässt sich in diesem Gedicht nicht feststellen.

Das dichterische Genie Clemens Brentano lässt seinen Gedanken in dem Gedicht freien ungebundenen Lauf. Die umfangreichen Strophen sollen allerdings im schwungvollen Rhythmus gesprochen werden, während die kleinen Refrains Ruhe einkehren lassen, die das Sprechen der heimlichen Welt bestimmt. Die alternierenden Kadenzen des Liedes tragen ebenfalls zu der Rhythmisierung bei, sodass nach jeder zweiten Verszeile die männliche Kadenz eine kurze Pause einkehren lässt. Des Weiteren wirken die zahlreichen Enjambements, besonders im Bereich der Refrains, auf den Klang ein.

Das Gedicht ist ausschließlich in Kreuzreimen verfasst und weist das Reimschema abab cdcd aeae fgfg hihi jkjk lmlm onon abab auf. Der Aufbau des Gedichts kann auf die folgende Weise zusammengefasst werden: Die erste Strophe verkörpert ein Gebet des Lyrischen Ichs an die heimliche Welt. Dann folgen drei Wenn-Dann-Sequenzen, bestehend aus einer langen Strophe und einem kurzen Refrain.

Die umfangreichen Strophen schildern das sowohl kausal als auch temporal gemeinte "Wenn", die Refrains beschreiben dagegen die Reaktion der heimlichen Welt darauf. Die letzte große Strophe bein...

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