Lore Ley oder Zu Bacharach am Rheine Interpretation

Einleitung

Die erste Fassung der Ballade mit dem Titel "Lore Lay" oder "Zu Bacharach am Rheine" stellte einen Bestandteil des Romans "Godwi oder das steinerne Bild der Mutter" dar, welcher unter dem Pseudonym des Dichters „Maria“ erschienen. Die Ballade greift die Thematik des Romans auf und spiegelt sie wider. Der Stoff der Ballade entstammt von dem ihm bekannten Felsen "Loreley" am Rhein. Den Namen des Felsens teilte der Dichter in einen Vor- und einen Nachnamen und benannte auf diese Weise die Hauptfigur seines Werks.

Den ersten Teil des Romans stellte der Autor zwischen Juni 1798 und 1799 fertig, der zweite Teil folgte 1800. Herausgegeben wurden sie gemeinsam im Jahr 1801. Darüber hinaus existiert eine zweite Fassung der Ballade, die erst nach dem Druck des Romans verfasst und erst 1933 veröffentlicht wurde. Die Ballade erzählt die Geschichte der Zauberin Lore Lay, die von einem Bischof begnadigt und ins Kloster verbannt wird. Auf dem Weg dahin stürzt sich die Frau jedoch von einem Felsen in den Rhein.

Metrik und Struktur

Die erste Fassung der Ballade besteht aus 25 Strophen zu je vier Verszeilen. Sie sind im dreihebigen Jambus verfasst. Die Endreime der Verszeilen sind in den Strophen zu Kreuzreimen verbunden. Dabei weisen die ersten und die dritten Verszeilen jeder Strophe eine weibliche und alle zweiten und vierten Verszeilen eine männliche Kadenz auf, sodass nach jedem zweiten Vers eine rhythmische Pause entsteht.

Die Ballade kann in sechs Abschnitte unterteilt werden. In den Strophen eins bis drei wird die Zauberin Lore Ley vorgestellt. Die Strophen vier bis vierzehn schildern ihren Dialog mit dem Bischof. Die darauf folgenden zwei Strophen verkünden das Urteil des Geistlichen. Die Strophen siebzehn bis einundzwanzig beschreiben den Weg ins Kloster, den Halt bei dem Felsen und das Erklimmen der steilen Felswand. Schließlich verabschiedet sich die Zauberin in den Strophen zweiundzwanzig bis dreiundzwanzig von ihrem Leben und stürzt sich in den Rhein. In den letzten beiden Strophen erzählt der Autor von dem Schicksal der Ritter und benennt eine fiktive Quelle des Textes. Außerdem verortet er die Sage an den Dreiritterstein, einen Teil des Loreley-Felsens am Rhein.

Vorstellung der Zauberin Lore Ley 1-4

Die ersten beiden Strophen beschreiben Lore Ley als eine so schöne Frau, dass ihr kein Mann widerstehen konnte. Die Wiederholung des Wortes "viel" in dem vierten Vers der ersten Strophe und in dem ersten Vers der zweiten Strophe betont die Zahl der Männer, welchen sie bereits das Herz gebrochen hat. Auch die Alliteration "Herzen hin" lenkt die Aufmerksamkeit des Lesers auf die an der Liebe zu der Zauberin erkrankten Männer. Bis auf den rührenden Reim "umher"-"mehr" weisen die beiden Strophen reiche Reime auf, was für den einfach klingenden Volkston einen Beitrag leistet.

Die dritte Strophe schildert das Auftreten der Zauberin vor dem Bischof. Er ließ sie vorladen, um sie als Anhängerin der Zauberei zu bestrafen. Doch erliegt auch er als Mann ihrer Schönheit und muss Gnade walten lassen. Diese Strophe ist durch reiche Reime und Alliterationen geprägt: "Gewalt"-"Gestalt" oder durch die Aufeinanderfolge von "ß" und "s" in "ließ sie" und "mußte sie". Die Alliterationen betonen den Kontrast zwischen dem ursprünglichen Zweck der Vorladung, eine Sünderin zu bestrafen, und der anschließenden Ohnmacht des Bischofs vor ihrem Reiz.

Dialog mit dem Bischof 4-14

In den Strophen vier bis vierzehn folgt nun der Dialog der zwei Protagonisten in direkter Rede. In Strophe vier wendet sich der Bischof an die Zauberin und drückt in seinen Worten Mitleid gegenüber der jungen Frau sowie seine Überzeugung aus, dass diese zum Zaubern verführt wurde. Der Name "Lore Lay" verkörpert eine Alliteration so wie "dich denn" und "zu bösen Zauberei". Der reiche Reim "gerühret"- "verführet" wird durch den rührenden Reim "Lay"-"Zauberei" ergänzt.

Die Antwort der Zauberin folgt in den nächsten beiden Strophen fünf und sechs. Sie berichtet dem Bischof, dass sie gern sterben würde, denn jeder, der in ihre Augen blickt, fällt dem Verderben anheim. Sie bittet den Geistlichen, sie zum Tod auf dem Scheiterhaufen zu verurteilen und auf diese Weise der Zauberei ein Ende zu setzen. Die fünfte Strophe enthält einen unreinen Reim "müd"-"sieht". Dieser ist, wie auch der identische Reim "Flammen"-"Flammen", nicht untypisch für den Volkston, der im Gegensatz zu einem Kunstlied keine Perfektion voraussetzt. Die Beschreibung der Fähigkeiten der Zauberin weist die Assonanz "Augen"-"Arm" auf, die durch die parallele Alliteration "zwei"-"Zauberstab" ergänzt wird, um diese zu betonen.

Der Bischof antwortet in den beiden darauf folgenden Strophen sieben und acht ablehnend auf ihre Bitte. Er verkündet ihr, dass ihr Tod sein Herz brechen würde, und weigert sich daher, sie zum Tod zu verurteilen. Zur Betonung seiner Gefühle zu der Zauberin weisen die vierten Verszeilen der beiden Strophen die Wiederholung "mein eignes/ eigen Herz" auf. Die beiden Strophen enthalten ausschließlich reiche Reime. Durch die Worte "Flammen" und "Stab" wird ein Bezug zu ihrer Bitte hergestellt. Die Flam...

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