Der Spinnerin Nachtlied Interpretation

Titel, Metrik und Aufbau

Das Gedicht "Der Spinnerin Nachtlied" von Clemens Brentano wird im Jahr 1802 verfasst und damit in der Zeit der Frühromantik (1790-1805). Es wird 1818 in der Erzählung "Aus der Chronicka eines fahrenden Schülers“ veröffentlicht.  Der Titel sagt bereits aus, dass es sich um das Lied einer Spinnerin handelt, die nachts bei ihrer Arbeit singt. 

Das Gedicht besteht aus sechs Strophen zu vier Versen. Es enthält überwiegend reiche und wenige rührende Reime. Das Reimschema in den Strophen eins, drei und fünf lautet abba; in den Strophen zwei, vier und sechs cddc. Es handelt sich folglich ausschließlich um umarmende Reime. Jede Strophe bildet jeweils einen Satz. Die erste und die letzte Verszeile jeder Strophe weisen eine weibliche, die zweite und dritte eine männliche Kadenz auf, welche zu Pausen beim Lesen führen. Das Gedicht ist in einem gleichmäßigen dreihebigen Jambus verfasst. Dies ermöglicht einen dahinfließenden und gleichmäßigen Leserhythmus. 

Die ersten beiden Strophen bilden die Grundlage des Gedichts. Die nachfolgenden Strophen wiederholen deren Verse in unterschiedlicher Abfolge sowie mit geringfügigen Veränderungen und fügen nur wenige neue Verszeilen hinzu, die in den nachfolgenden Strophen wiederum aufgegriffen werden. Die Wiederholungen werden dabei nur in den Strophen eins, drei und fünf oder zwei, vier und sechs vorgenommen.

1. Strophe

In der ersten Strophe berichtet das Lyrische Ich davon, dass vor langen Jahren eine Nachtigall gesungen hat. Die Strophe handelt folglich von der Vergangenheit, an die sich die Spinnerin erinnert, und ist dementsprechend im Präteritum verfasst. Schließlich war der Gesang der Nachtigall ein so "süßer Schall", besonders weil die Liebenden zu diesem Zeitpunkt vereint waren.

Die Partikel "wohl" wird in der zweiten und dritten Verszeile wiederholt und bekommt durch die Alliteration "war wohl" sogar eine verstärkte Betonung. Die letzten beiden Zeilen der Strophe verbindet die Alliteration "Das"-"Da", welche den Zusammenhang beider Verse betont. Die Alliteration und die Synästhesie "süßer Schall" lassen erkennen, wie die beiden Sinne, das Schmecken (süß) und das Hören (Schall), miteinander verschmelzen. Die Nachtigall symbolisiert die Liebe.

2. Strophe

In der zweiten Strophe wendet sich das Lyrische Ich der Gegenwart zu. Im Präsens schildert es die Sehnsucht nach dem geliebten Menschen. Die einsame und traurige Spinnerin singt und denkt an ihre Gefühle, die sie nicht durch Weinen zum Ausdruck bringen kann. Sie wird vielleicht die ganze Nacht, auf jeden Fall aber, solange der Mond scheint, spinnen.

Die Situation wird durch den Parallelismus in den ersten beiden Versen beschrieben "und kann nicht weinen" – "und spinne so allein". Die Wiederholung der Partikel "so" in der zweiten und der letzten Verszeile stellt eine Verknüpfung zwischen der beschriebenen Einsamkeit der Spinnerin und dem sie begleitenden Mondschein, als dem ihre Sehnsucht betonenden Symbol, her.

3. Strophe

Die ersten beiden Verszeilen sind im Präteritum verfasst. Das Lyrische Ich verweist erneut darauf, dass die Nachtigall sang, als die Geliebten beisammen waren. In den letzten beiden Versen wird kontrastierend die gegenwärtige Betrachtung des Vogelgesangs vorgebracht, der die Spinnerin in der Gegenwart an die Trennung von dem Geliebten erinnert. Der Ausdruck "von mir gefahren" ist unpräzise und könnte entweder andeuten, dass sich das Paar getrennt hat, oder metaphorisch darauf hinweisen, dass der Geliebte tot ist.

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