Abendständchen Interpretation

Einleitung, Titel und Reime

Das Gedicht „Abendständchen“ schrieb Clemens Brentano im Jahr 1802 als ein Zwiegespräch zwischen Fabiola und ihrem Begleiter Piast in dem Singspiel „Die lustigen Musikanten“. Die Fassung als eigenständiges und von dem Singspiel unabhängiges Gedicht wurde erst von den Herausgebern der Werke Brentanos initiiert. Dass eine solche Umwandlung der Verse ganz im Sinne des Dichters wäre, begründeten die Herausgeber mit der Tatsache, dass Brentano selbst Volkslieder und wieder entdeckte Gedichte änderte und in Sammelbänden unter dem Titel "Des Knaben Wunderhorn" veröffentlichte.

Der Titel „Abendständchen“ weist auf eine Musik hin, die aus einem besonderen Anlass heraus, zum Beispiel als eine Liebeserklärung, in Form einer Nocturne oder Serenade erklingt. Die Szene spielt im Singspiel an einem Silvesterabend kurz vor Mitternacht in einer unbekannten Gegend, wahrscheinlich in Italien.

Das Gedicht besteht aus zwei Strophen zu je vier Verszeilen. Das Metrum des Gedichts ist ein vierhebiger Trochäus. Die Kadenzen der ersten Strophe sind ausschließlich weiblich, während in der zweiten Strophe die Verszeilen sechs und acht mit einer männlichen Kadenz schließen. Dies verleiht dem Gedicht einen abgerundeten Schluss. Das Reimschema des Gedichts ist abab cdcd. Es besteht folglich aus zwei Kreuzreimen, die ausschließlich reiche Reime beinhalten.

Erste Strophe

Um den von dem Dichter in die Verszeilen hineingelegten Sinn besser verstehen zu können, bietet es sich an, sich die Verszeilen in ihrer ursprünglichen Fassung anzuschauen. Die jeweils ersten Verszeilen jeder Strophe werden von der jungen Frau Fabiola gesprochen, die letzten beiden Zeilen jeder Strophe von ihrem alten blinden Begleiter Piast.

In der nächtlichen Stimmung vernimmt Fabiola, nachdem die Töne des Tages verstummt sind, den Klang einer Flöte, den sie mit dem Rauschen der Brunnen verbindet. Mit dem Imperativ "Hör" macht sie ihren Begleiter auf die musikalischen Klänge aufmerksam. Sie favorisiert die Musik der Flöte vor dem Rauschen der Brunnen, diese hat für sie folglich eine größere Bedeutung.

Das "wieder" am Ende des Verses macht deutlich, dass die Töne der Flöte nicht zum ersten Mal die Aufmerksamkeit der Frau erregen. Sie weiß, dass die Klänge von Ramiro stammen, einem jungen Mann, der in sie verliebt ist. Dies könnte erklären, warum die personifizierte Flöte „klagt„ und die Brunnen “kühl“ sind. Die Stimmung ist von einer gewissen Traurigkeit und Sehnsucht geprägt. Das Klagen der Flöte und das Rauschen der Brunnen vereinigen die Kunst und Natur in einem abendlichen Klangbouquet.

Der blinde Piast beschreibt die Töne als "golden" und schreibt damit einem Abstraktum eine konkrete synästhetische Eigenschaft zu. Er gibt den Tönen darüber hinaus eine Richtung, indem er behauptet, dass diese "niederweh´n". Dies vermittelt den Eindruck, dass die Töne wie Regentropfen von oben auf die Lauschenden hinabfallen. Es folgt in der vierten Verszeile eine Wiederholung des Imperativs "stille": Da...

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