Titel

Der Titel des Buches „Faserland“ lässt unterschiedliche Deutungen zu:

Bezug zum englischen Roman „Vaterland“

Der Titel „Faserland“ konnotiert zum  englischen Wort „Fatherland“, das auf Deutsch übersetzt „Vaterland“ heißt. Damit ergibt sich auch ein Bezug zum englischen dystopischen Roman von Robert Harris „Fatherland“ (1992). Die Fiktionserzählung spielt in einer alternativen Welt, in der das Dritte Reich den Zweiten Weltkrieg gewonnen hat und nun ganz Europa beherrscht. Angesichts des Umstands, dass der Ich-Erzähler von „Faserland“ bei seiner Reise durch Deutschland und die Schweiz permanent Bezüge zu Nazi-Deutschland herstellt beziehungsweise viele seiner Mitbürger für Nazis hält, entsteht eine thematische Querverbindung.

Vaterland - Land der Väter

Der Bezug zum Wort „Vaterland“, dem „Land der Väter“, ist in anderer Hinsicht stimmig. Die Referenz könnte auf die Väter der Figuren hindeuten und dann wäre die Referenz sehr ironisch: Die Väter der Figuren treten im Roman gar nicht auf. Sie  sind abwesend und werden sehr vage, entweder im Rückblick oder durch Erinnerungen, geschildert. Rollos Vater ist beispielsweise immer unterwegs und befindet sich in Indien. Er taucht auch nicht zu dem Geburtstag seines Sohns Rollo in Meersburg auf.

Der Ich-Erzähler und seine wohlhabenden „Freunde“ sind ihrer Schulpflicht in der Hauptsache im Eliteinternat Salem nachgekommen, getrennt von den Eltern. Es ist auch bezeichnend, dass sie offenbar keinem Broterwerb nachzugehen scheinen. Wenn in der in „Faserland“ dargestellten „Oberschicht“ jemand arbeitet, dann wird das nur ganz am Rande oberflächlich  erwähnt (S. 14). Die reichen Väter stellen die materielle Versorgung ihrer Kinder sicher.

Der Begriff „Vaterland“ könnte auch in Bezug auf dem Inhalt des Romans auf die deutsche Geschichte hinweisen, weil die Väter und die Großväter der jungen Generation das Land so geformt haben, wie es heute aussieht. Der Ich-Erzähler ist sehr kritisch den Deutschen und Deutschland gegenüber eingestellt (siehe Abschnitt: Deutschland). Immer wieder erwähnt er die nationalsozialistische  Vergangenheit, die für ihn wie eine Belastung wirkt (siehe Abschnitt: Nationalsozialismus).

Fasern

Der Titel könnte auch mit den ganz speziellen „Fasern“ der Textilien, mit denen sich der Ich-Erzähler und seine „Freunde“ von ihrer Umgebung abgrenzen, in Verbindung gebracht werden. In „Faserland“ tauchen extrem viele verschiedene Marken und Produkte auf, die vor allem aus den Bereichen Verkehrsmittel, Genussmittel, Medien, Mode und Bekleidung stammen (siehe auch Glossar).

Vor allem die Textilien haben eine zentrale Bedeutung. Besonderer Stellenwert kommt dabei der Barbourjacke zu, die nic...

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