Popliteratur

Geschichte

Die Popliteratur blickt auf eine lange Tradition zurück. Bereits die Dada-Bewegung am Anfang der 20. Jahrhunderts betrachtete sich als eine Gegenbewegung, die sich gegen die bürgerlichen Konventionen der Gesellschaft und der Kunst auflehnte.  

Der US-Medientheoretiker Leslie Fiedler plädierte 1968 in seinem bekannten Aufsatz „Cross the border, close the gap“ für die Aufhebung der strengen Differenzierung zwischen E(rnst)-  und U(nterhaltsam) Kunst und etablierte den Begriff „Pop“ (was in diesem Zusammenhang nicht nur für populär, sondern auch für den Wortsinn „Knall“, „Zusammenstoß“ steht).

Vor allem die Autoren Rolf Dieter Brinkmann und Dieter Wellershoff übernahmen Fiedlers Überlegungen für die Literatur, stellten eine Verbindung zur Realismus-Debatte in Deutschland her und setzten die Pop-Tradition fort. Somit fanden die US-Vorbilder auch in Deutschland Nachfolger, allerdings gingen das einstmals Rebellische, Experimentelle und Subversive größtenteils verloren.

Die moderne Popliteratur hatte zwar immer noch ihre Vorbilder in extremen US-Autoren, wie Bret Easton Ellis, der für exzessive Gewalt- und Sexdarstellungen berühmt und berüchtigt wurde. Allerdings peilte die Popliteratur in Deutschland  ein eher junges Publikum an, das Autoren wie Kracht schnell zum Kult erhob.

Die neue Popliteratur wurde schnell zum Teil des Mainstreams, was sich auch darin äußerte, dass große Verlage, wie Kiepenheuer & Witsch oder Suhrkamp, die zuvor ausschließlich auf allerhöchste literarische Kunst abonniert waren, viele der jungen Autoren unter Vertrag nahmen und deren Werke veröffentlichten.  Die Schriftsteller wollten ihren Widerstand gegen die festgefahrenen, künstlerischen Maßstäbe zum Ausdruck bringen und schufen eine neue Art von Literatur und Kunst, die wie so vieles Neues oftmals für Skandale sorgte.

Die Blütezeit

Der Roman „Faserland“, der für die deutsche Popliteratur als wegweisend gilt, wird in der ersten Hälfte der 1990er Jahre geschrieben, in einer Zeit, in der die Globalisierung langsam anwächst, der Markt immer maßgebender wird, in einer Zeit, in der soziale Umbrüche stattfinden, in der alte Werte verfallen und neue an deren Stelle treten. Vor allem haben Milieus die sozialen Schichten und Klassen der ehemaligen Epochen abgelöst. Diese Milieus zeichnen sich durch spezifische Lebensstile, Codes (Regeln und Zeichen, die die Zugehörigkeit verdeutlichen), Besitz (entwede...

Der Text oben ist nur ein Auszug. Nur Abonnenten haben Zugang zu dem ganzen Textinhalt.

Erhalte Zugang zum vollständigen E-Book.

Als Abonnent von Lektürehilfe.de erhalten Sie Zugang zu allen E-Books.

Erhalte Zugang für nur 5,99 Euro pro Monat

Schon registriert als Abonnent? Bitte einloggen