Christian Kracht

Kracht ist am 29.12.1966 als Sohn gut situierter Eltern in Gstaad, Schweiz geboren. Krachts Vater, Christian Kracht senior, arbeitet mehrere Jahre lang als Generalbevollmächtigter und erster stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Axel-Springer-Konzerns. Christian Kracht wächst in der Schweiz, in den USA, Kanada und Südfrankreich auf. Er geht auf diverse internationale Internate, unter anderem auf das Elite-Internat Schloss Salem und die Lakefield College School in Lakefield, Ontario (Kanada).

Kracht schließt 1989 das Sarah Lawrence College in Bronxville, New York (USA) ab und ist danach erst als Volontär, ab 1991 dann als Redakteur für das Magazin Tempo tätig. Während dieser Zeit verfasst er auch Beiträge für die Berliner Zeitung. 1993 wird Kracht für eine Reportage über obdachlose Jugendliche mit dem Axel-Springer-Preis ausgezeichnet.

Ab 1997 ist Kracht als Indien-Korrespondent für das Nachrichtenmagazin Der Spiegel tätig und lebt anschließend mehrere Jahre lang in der ehemaligen jugoslawischen Botschaft in Bangkok. Von dort aus bereist er mehrere asiatische Länder und veröffentlicht seine Reiseberichte in der „Welt am Sonntag“ und im Jahr 2000 in Buchform („Der gelbe Bleistift“) bei Kiepenheuer & Witsch. 1999 tritt Kracht zusammen mit dem Autor Benjamin v. Stuckrad-Barre in einer Werbekampagne für die Modehauskette „Peek & Cloppenburg“ auf.

Von 2004 bis 2006 gibt Kracht in Kathmandu, später in San Francisco das Magazin „Der Freund“ heraus, das im März 2006 mit dem „bronzenen Nagel“ des „Art Directors Club für Deutschland“ (ADC) im Bereich Zeitschriftengestaltung und mit dem LeadAward in Gold im Bereich „Cover des Jahres“ ausgezeichnet wurde. Während dieser Zeit folgen auch ausgedehnte Expeditionen in den Himalaja.

2006 arbeitet Kracht als Dozent an der Wissenschaftsakademie Berlin und bis 2007 als fester Kolumnist der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Alle zwei Wochen erscheint dort die Kolumne „Brief aus…“, die laut Eigenauskunft zum Ziel hat, sich mit „Selbstreferenzialität“ zu beschäftigen. Allerdings veröffentlicht er während dieser Zeit auch anderes, wie zum Beispiel zusammen mit dem US-Geschäftsmann David Woodard eine Reportage über Aleister Crowleys Wohnsitz in Cefalù. Im Februar 2007 erscheint in Zusammenarbeit mit Ingo Niermann als Ergebnis einer Besteigung des Kilimandscharos der Roman „Metan“, der bei der Kritik vor allem entweder auf Verwunderung oder komplette Ablehnung stieß.

Kracht veröffentlicht 1995 mit „Faserland“ seinen Debütroman, der die moderne Konsumkultur zum Inhalt hat und sich außerdem dem Thema „Identitätskrise“ widmet. Internationale Anerkennung wird Kracht aufgrund seines zweites Werks, des 2001 erschienenen Romans „1979“ zuteil, der die Zerbrechlichkeit des westlich-großbürgerlichen Wertesystems angesichts der östlich-totalitären, Varianten, wie des Islamismus und des Maoismus, schildert. Dank der Anschläge vom 11.09.2001 rückt „1979“ noch weitaus mehr ins Rampenlicht als geplant.

2008 erscheint der dritte Roman, die Dystopie „Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten“. Er erzählt eine Geschichte, die in einer alternativen Realität spielt, und handelt von einer „Schweizer Sowjet Republik (SSR)“, die sich im ständigen Krieg mit dem Großteil des restlichen Europas befindet. 

2012 wurde „Imperium“ veröffentlicht, Krachts vierter und bis dato letzter Roman. „Imperium“ erzählt eine alternative Version der Lebensgeschichte des Aussteigers August Engelhardt aus Nürnberg, der Anfang des 20. Jahrhunderts in die damalige Kolonie Deutsch-Neuguinea reist, weil er dort zum Besitzer und Betreiber eines Kokosnuss-Plantage werden will. Der Grund: Er will als Vegetarier ausschließlich Kokosnüsse zu sich nehmen. Engelhardt will außerdem eine neue Religion und ein eigenes Reich gründen und die Welt retten. 

Kracht lebt mit seiner Frau, der Regisseurin Frauke Finsterwalder („Finsterworld“), in Los Angeles und ist Mitglied des P.E.N.- Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland.