Courage: Mutter und Händlerin

Die ambivalente Figur

Gegensätzlichkeit

Ein wesentliches Merkmal des Theaterstücks »Mutter Courage und ihre Kinder« ist die Dialektik: Brecht konfrontiert darin gegensätzliche Begriffe miteinander und zeigt gleichzeitig deren Verbindung auf. Ein Beispiel ist die Gegenüberstellung von Krieg und Frieden (siehe Abschnitt „Krieg und Moral“) sowie zwischen den Mächtigen und dem einfachen Volk (siehe Abschnitt „Der kleine Mensch und der Krieg“). 

Mit Mutter Courage erschafft Brecht schließlich eine durch und durch dialektische Figur. In ein und derselben Person vereinen sich zwei gesellschaftliche Rollen, die der Mutter einerseits und die der Händlerin andererseits. Beide Positionen sind äußerst gegensätzlich und lassen sich kaum miteinander vereinbaren.

Bereits in der Namensgebung wird die Dialektik offenbar: Auf der einen Seite steht die Mutter, auf der anderen die Courage. Letztere Bezeichnung ist nicht etwa als eine positive Eigenschaft zu begreifen, sondern beschreibt den unternehmerischen Ehrgeiz der Marketenderin (vgl. S. 9 sowie „Charakterisierung Mutter Courage“).

Mutterliebe und Profit

Die beiden unterschiedlichen …

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Die erfahrene Kapitalistin

Bei aller Dialektik der Figur betont Brecht immer wieder die kapitalistischen Eigenschaften der Courage. Die Rolle der Händlerin überwiegt sehr häufig über der Mutterrolle. Die Marketenderin beherrscht die Spielregeln des ökonomischen Denkens und Handelns perfekt. Verspricht die Nachfrage zu steigen, werden neue Waren eingekauft (vgl. 66). Drohen hingegen die Preise zu fallen, stößt Mutter Courage ihre Produkte schnellstmöglich ab (vgl. S. 82). Beim Ankauf wird der Preis nach unten (vgl. S. 29/30), beim Verkauf nach oben gehandelt (vgl. S. 23).

Typische Eigenschaften der Marketenderin sind kaufmännisches Geschick, Risikobereitschaft, taktische und strategische Intelligenz sowie Unternehmergeist. Auch ihre wirtschaftlichen Prognosen sind hilfreich für das Gewerbe: „Aber der Krieg läßt sich nic…

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Erst das Geschäft, dann die Mutterliebe

Einzelne Situationen des Dramas bringen die mütterliche Seite der Courage zum Ausdruck. Die Beispiele sind jedoch im Vergleich zur Rolle der Geschäftsfrau eher gering oder werden durch Anna Fierlings Profitgier konterkariert. Deutlichstes Beispiel ist der Einzug ihres ältesten Sohnes Eilif in den Militärdienst. Die Marketenderin will diesen aus Mutterliebe verhindern, wird aufgrund ihrer Geschäftsinteressen jedoch von diesem Vorhaben abgelenkt (vgl. Szene 1).

Am meisten mütterliche Zuwendung braucht die stumme Kattrin, die aufgrund ihrer Behinderung als unselbstständig und besonders schützenswert gilt. Mutter Courage versucht, das Mädchen vor sexuellen Übergriff…

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