Moral und Glaube

Die unmoralische Kirche

Die Figur des Feldpredigers verkörpert die Umkehrung der christlichen Werte. Der Geistliche konterkariert die Erwartungen, die an einen Kirchenvertreter gestellt werden. Allem voran fehlt es dem Feldprediger an der vorausgesetzten Humanität, was insbesondere in seinen kriegsverherrlichenden Äußerungen zum Ausdruck kommt. Einzig in der 5. Szene scheint der Gottesmann geläutert zu sein und hilft einer verwundeten Bauernfamilie (vgl. S. 61 ff.).

Ganz und gar unchristlich wirkt jedoch die Haltung des Predigers zum Krieg, den er befürwortet und dem er ein langes Leben attestiert (vgl. S. 66). Aus seiner Sicht werden die Kämpfe für Gott geführt, folglich bezeich…

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Der Glaube als Mittel der Kriegsrechtfertigung

Farce

Kapitalistische bzw. egoistische Motive gelten als moralisch verwerflich, insbesondere dann, wenn sie den Krieg unterstützen. Für Brechts Figuren bedürfen sie daher einer Verschleierung und Rechtfertigung. Die Unterstützung des Krieges wird dabei nicht per se infrage gestellt, solange es vermeintlich gute Gründe dafür gibt.  Diese Legitimierung erfolgt weitgehend mithilfe von Glaubenspropaganda.

Die religiös begründete Rechtfertigung unmoralischer Taten stellt Brecht als Farce dar, da die Konfession für die Figuren austauschbar ist. Je nach persönlichem Vor- oder Nachteil wechselt der eigene Glaube die Richtung. Als Beispiele gelten das Verhalten der Courage und das des Feldpredigers in der 3. Szene während eines Überfalls katholischer Truppen: Um nicht als Protestanten enttarnt zu werden, tauscht Anna Fierling ihre evangelische Flagge gegen eine katholische aus und der Feldprediger versteckt sein Priestergewand unter einem Mantel. Brecht spiegelt darin die Entwicklung des Dreißigjährigen Krieges wider, in dem sich die Konfession der Parteien zunehmend als unmaßgeblich entpuppt.

Die scharfsinnige Ironie des Feldkochs Pieter Lamb macht zudem deutlich, dass das zerstörerische Wesen des Krieges und all seine grausamen Folgen dieselben b…

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