Merkmale der Exilliteratur im Werk

Die bildhafte Umschreibung

Bertolt Brecht zählt zu den bekanntesten Autoren im Exil. Sein Drama »Mutter Courage und ihre Kinder« entstand 1939 kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und gehört zur deutschen Exilliteratur. Dieses literarische Genre umfasst die Werke von den Schriftstellern, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurden und fliehen mussten. In der Regel handelte es sich dabei um jüdische, pazifistische und/oder sozialistische Autoren.

Brecht beschreibt das schriftstellerische Handwerk im Exil als außergewöhnlich schwierig. Die Frage, wen man mit seinem Werk erreichen wolle und vor allem erreichen könne, ließe sich nicht so leicht beantworten. Einerseits treibe ihn die Hoffnung um, die Botschaft der »Mutter Courage« möge auch die einstige Heimat erreichen. Doch diejenigen, die daraus lernen sollten, seien längst nicht mehr für seine Kritik empfänglich.

Und so schreibt Brecht das Drama vor allem für Skandinavien, von dem er fürchtet, es würde sich aus politischem und wirtschaftlichem Kalkül den Nationalsozialisten anschließen. Seine Warnung an die skandinavischen Länder umschreibt er mit dem viel zitierten Satz, den er auch einer seiner Figuren in den Mund legt: „Wer mit [dem] Teufel frühstücken will, muss ein[en] langen Löffel h…

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Anspielungen

Während in sicherer Entfernung der Zweite Weltkrieg beginnt, schreibt Brecht ein Drama, das in einem Krieg spielt, der dreihundert Jahre zuvor stattfand. Dabei geht es ihm jedoch nicht um historische Genauigkeit und detailgetreue Rekonstruktion. Der Dramatiker verpackt seine Kritik an der Gegenwart im Gleichnis des Dreißigjährigen Kriegs.  

Im Spiegel der Geschichte reflektiert und verurteilt der Autor die Interessenvertreter des Zweiten Weltkriegs, insbesondere der vermeintlich neutralen Länder, greift das opportunistische Verhalten der Menschen in Kriegszeiten und den Kapitalismus als solchen an. Doch seine Botschaft geht dabei über die Entstehungszeit hinaus. Auch heute noch ist das Drama angesichts der globalen Krisen hochaktuell.

Das Stück mit dem Untertitel »Eine Chronik aus dem Dreißigjährigen Krieg« enthält zahlreiche Hinweise auf die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Dabei fallen zunächst einmal die kriegspolitischen Parall…

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Historische Verweise auf die Nazis

Die Bezeichnung der stummen Tochter Kattrin als „halbe Deutsche“ (S. 11) ist ein Verweis auf das Staatsbürgergesetz von 1935. Brechts Frau Helene Weigel wurde als Jüdin in Deutschland als eine sogenannte „Staatsbürgerin“ bezeichnet, erhielt jedoch nicht den Reichsbürgerstatus. Andere Nationalitäten, die in Zusammenhang mit den Kindern der Courage genannt werden, sind ein Hinweis auf Staaten, die Hitler verbunden waren, jedoch eine Neutralitätspolitik verfolgten. Darunter w…

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