Der Feldprediger

Der fragwürdige Religionsvertreter

Die Figur des Feldpredigers ist lediglich durch seine Berufsbezeichnung gekennzeichnet, bleibt jedoch ansonsten namenlos. Sein Metier steht für die Verbindung von Kirche und Militär, als Feldprediger ist er der religiöse Stellvertreter im Krieg. Gleichzeitig repräsentiert er als studierter evangelischer Pastor das gebildete Bürgertum, welches Brecht in der Hierarchie zwischen Ausbeutern (bzw. Kriegsführern) und Proletariat ansiedelt.

Zu den Aufgaben des „Seelenhirten“, wie er vom Feldhauptmann genannt wird (vgl. S. 24), gehört die ideologische Unterstützung der Soldaten. Dies betrifft sowohl den psychologischen Beistand (vgl. S. 87) als auch das Anstacheln zu Gewalttaten und zum heldenhaften Einsatz des eigenen Lebens (vgl. S. 71).

Zunächst tritt der Feldprediger in Begleitung von Eilif, dem ältesten Sohn der Courage, und von dessen Vorgesetzten, dem Feldhauptmann, auf. Letzterer lässt den unterwürfigen Geistlichen seine Überheblichkeit spüren, indem er ihn aus seiner Einladung zu Essen und Trinken ausschließt: „Der Feldprediger kriegt einen Dreck, der ist fromm“ (S. 22). Darüber hinaus macht der Hauptmann deutlich, dass er dessen Metier für kriegsuntauglich hält: „Und der Seelenhirt schaut wieder zu, weil er predigt nur, und wies gemacht werden soll, weiß er nicht“ (S. 23).

Als Eilif vom Überfall auf eine Bauernfamilie berichtet und sein Handeln mit einem vermeintlichen Bibelspruch rechtfertigt, pflichtet der Feldprediger ihm bei: „Strenggenommen, in der Bibel steht der Satz [‚Not kennt kein Gebot‘] nicht, aber unser Herr hat aus fünf Broten fünfhundert herzaubern kö...

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