Der Feldhauptmann

Der rohe Befehlshaber

Der Feldhauptmann gehört in Brechts »Mutter Courage« zu der Figurengruppe der Soldaten. Diese treten namenlos im Stück auf und werden lediglich nach Funktion und militärischem Rang voneinander unterschieden. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie die Befehle der Machthaber, von Mutter Courage auch als „Großkopfige“ bezeichnet, ausführen und ihrerseits Weisungen an Untergebene erteilen.

Der Feldhauptmann tritt lediglich in der zweiten Szene des Stückes auf, die im Jahr 1626 während des Dreißigjährigen Krieges spielt. Schauplatz ist ein schwedisches Lager in der Nähe von Riga vor der Festung Wallhof. Der Feldhauptmann ist einer der Befehlshaber im zweiten schwedischen Regiment und hat laut Dienstgrad rund 400 Landsknechte unter sich. Unter diesen befindet sich auch Eilif, der älteste Sohn der Mutter Courage, der Jahre zuvor für den Kriegsdienst angeworben worden ist (vgl. Szene 1).

In Begleitung von Eilif und dem Feldprediger betritt der dominante Feldhauptmann sein Zelt, um sich eigens vom Koch eine Mahlzeit zubereiten zu lassen. Dazu will er den Sohn der Courage einladen, und zwar als Belohnung für eine vermeintliche Heldentat. In der Nacht zuvor hatte Eilif mehrere Bauern überfallen, getötet und ihnen das Vieh geraubt.

Lautstark verlangt der tonangebende Offizier bei seinem Koch nach Fleisch und demonstriert damit seine Überlegenheit sowie seinen rohen Charakter: „Zu essen, Lamb, du Kochbestie, sonst erschlag ich dich“ (S. 22). Die Ansprüche des verschwenderischen Feldhauptmanns auf ein üppiges Mahl demonstrieren die ungerechten Machtverhältnisse im Krieg, insbesondere da ringsumher Hungersnot herrscht: „Und dann bringt er noch Gäst mit, wo nix da is“ (ebd.).

Der scheinheilige Opportunist

Auch die strittige Einstellung des Hauptmanns in Bezug auf die Glaubensfragen des Kriegs wird im Laufe der Szene deutlich. Während der selbstgefällige Offizier sich und Eilif eine großzügige Portion von seinem Lieblingswein einschenkt, schließt er den Feldprediger, welchen er abfällig als „Seelenhirt“ bezeichnet, explizit vom Gelage aus: „Der […] kriegt einen Dreck, der ist fromm“ (S. 22). Seiner Meinung nach bringt die Glaubenspropaganda...

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