Stilmittel der Widersprüchlichkeit

Paradoxa / Antithetik

Viele Stilmittel, die Brecht in seinem Stück »Mutter Courage und ihre Kinder« verwendet, dienen vornehmlich dazu, die Absurditäten und paradoxen Situationen des Krieges aus Sicht der kleinen Leute widerzuspiegeln. Ein wesentliches Stilmerkmal ist demnach die Gegenüberstellung von Gegensätzlichkeiten sowie deren Zusammenführung (Dialektik). Die Sinnlosigkeit des Krieges soll sich auch im Unsinn der Sprache offenbaren. Nicht zuletzt verdeutlicht sie die Umkehrung ethischer Werte.

Dem Leser und Zuschauer begegnen Mittel der Verfremdung, Verschleierung und Verharmlosung. Vor allem durch die Bildhaftigkeit entsteht eine Art Tarnsprache, mit der die Figuren ihre ganz eigene Wahrheit vermitteln. Dabei lässt Brecht die Frage nach dem, was wahr und glaubhaft ist, bewusst offen, um den Zuschauer zu kritischem Denken anzuregen.

Gleich in der ersten Szene thematisiert Brecht den Gegensatz zw…

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Ironie

Widersprüche werden in Brechts Drama auch mithilfe von Ironie, wobei das Gesagte genau das Gegenteil des eigentlich Gemeinten ist, zum Ausdruck gebracht. Insbesondere der Regimentskoch Pieter Lamb nutzt dieses Stilmittel dazu, um seine Meinung zum Krieg zu verdeutlichen. Auf die Behauptung des Feldpredigers, es handle sich um einen Glaubenskrieg, entgegnet Lamb: „Das ist richtig. In einer Weis ist es ein Krieg, indem daß gebrandschatzt, …

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Rhetorische Fragen

Um die Perspektive der kleinen Leute als besonders subjektiv und nicht zuletzt fragwürdig darzustellen, nutzt Brecht das Mittel der rhetorischen Frage, also der sogenannten Scheinfrage. Anstatt eine Antwort des Gegenübers abzuwarten, beantworten sich die Figuren ihre Fragen lieber selbst. Sie stellen damit eine Behauptung in den Raum, ohne im Dialog Informationen auszutauschen. Zugleich wirken die Charaktere überheblich, indem sie vortäuschen, es besser zu wissen. Brecht verdeutlicht damit die Engstirnigkeit und Unbelehrbarkeit der kleinen Leute.

Dies gilt insbesondere für Mutter Courage, die ihre ganz eigene Definition von den Tugenden hat: „Die armen Leut brauchen Courage. Warum, sie sind verloren, schon daß sie aufstehn in der Früh, dazu gehört was in ihrer L…

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Euphemismus und Personifizierung

Mit der moralischen Aufwertung des Krieges gehen zugleich dessen Verharmlosung und Beschönigung einher. Entsprechend legt Brecht seinen Figuren wiederholt Euphemismen in den Mund: „Und geht [der Krieg] über deine Kräfte Bist du beim Sieg halt nicht dabei“ (S. 75). Das hier zitierte Lied der Courage ist ein treffsicheres Beispiel für die positive Verschleierung von Hunger, Elend und Tod. Ein zentrales Argument der Marketenderin ist die These, dass die Menschen im Frieden noch schlechter dran seien.

In dem „Lied vom Fraternisieren“ bezeic…

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