Sprache

Die Sprache der kleinen Leute

Dialekt

Brecht gab seinen Schauspielern die Anweisung, im regionalen Dialekt zu sprechen. Das Drama sollte so realistischer werden und die Perspektive der kleinen Leute auf das Weltgeschehen widerspiegeln. Die seinerzeit vorherrschende Bühnensprache empfand der Autor als künstlich und realitätsfern.

Für »Mutter Courage« ließ sich Brecht von der Sprache des tschechischen Romans »Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk« von Jaroslav Haŝek inspirieren. Die Hauptfigur Schwejk, ein Soldat im Ersten Weltkrieg, verkörpert in seiner paradoxen Haltung zum Krieg den typischen Kleinbürger. Brecht orientierte sich an der deutschen Übersetzung des Werkes. Darin wurde eine charakteristische Mundartsprache als deutsche Variante für den Dialekt der Prager Vorstadt gewählt. Brecht nannte diese Ausdrucksform »Sklavensprache«.

Eine weitere Inspirationsquelle für ihn war das wortwitzige Bayrisch des Münchner Satirikers Karl Valentin. Beispiele hierfür finden sich in Äußerungen, wie „nix“ (S. 7, 10, 11, 14, 18, 20), „Ran…

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Biblische Sprache

Rechtfertigung

Ebenso wie in vielen seiner Werke nutzt Brecht auch in der »Mutter Courage« die bildkräftige Sprache der Heiligen Schrift, insbesondere das volksnahe Deutsch der Lutherbibel. Die Bibelverweise bilden einen Kontrast zwischen christlicher Wunschvorstellung und harter Realität. Viele Zitate werden verdreht, ironisiert oder spiegeln die bigotte Haltung der Figuren wider.  Die Charaktere entlarven die biblischen Lebensweisheiten als Phrasen und nutzten sie gelegentlich zur Rechtfertigung des eigenen Verhaltens.

Dass sie dabei nicht unbedingt bibelfest sind und auch einmal „danebengreifen“, zeigt der Versuch Eilifs, ein passendes Zitat zu bemühen, um seinen Überfall auf die Bauern zu legitimieren: „EILIF Not kennt kein Gebot, nicht? […] DER FELDPREDIGER Strenggenommen, in der Bibel steht der Satz nicht, aber unser Herr hat aus fünf Broten fünfhundert herzaubern können, da war eben keine Not, und da konnt er auch verlangen, daß man seinen Nächsten liebt, denn man war satt.“ (S. 24).

Die Figuren machen keinen Unterschied zwischen Zitaten der Heiligen Schrift und Redensarten auf dem Niveau von Kalendersprüchen. Die Sprache der Bibel dient hier lediglich als Mittel zum Zweck. Auch der Feldhauptmann rechtfertigt Eilifs Tat mit einem Auszug aus dem Neuen Testament: „Heißts nicht in der Schrift: Was du dem geringsten von …

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Biblische und historische Hinweise

Neben ganzen Sprüchen und Zitaten sind es auch einzelne Begriffe oder Satzteile, die der Bibel entnommen sind. Diese werden fragmentarisch in die Umgangssprache der Figuren integriert und als Vergleiche herangezogen. So bezeichnet Mutter Courage ihre Tochter Kattrin deshalb als „Babylonische“, weil diese sich die Schuhe der Soldatenhure Yvette anzieht (vgl. S. 38). Sie vergleicht das Mädchen mit der Hure Babylon aus der Johannes-Offenbarung. Dort heißt es: „Die große Babylon, die Mutter der Hurerei und aller Greuel auf Erden“.

Ebenfalls in der dritten Szene schildert die Courage, wie sie in einem Verhör den Schweden als „Antichrist“ bezeichnet hat, um nicht als …

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Pragmatische und humoristische Sprache

Aus Brechts Spiel mit dem christlichen Glauben ergeben sich nicht zuletzt auch komische Momente. Insbesondere die Schlagfertigkeit und der Wortwitz der Courage geben ihrem pragmatischen Umgang mit der Religion den sprachlichen Feinschliff: „Da ist ein ganzes Meßbuch dabei, aus Altötting, zum Einschlagen von Gurken […]“ (S. 10) – „[…] evangelische Hosen halten auch warm“ (S. 41) – „Ich hab aber keine Seel. Dagegen brauch ich Brennholz“ (S. 69). Die Protagonistin stellt die ideellen Werte des Christentums den realen Problemen des Lebens gegenüber. Das wirkt auf den ersten Blick befremdlich oder gotteslästerlich, auf den zweiten Blick…

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Die bildhafte Sprache

Die Schilderung eines Sachverhalts mithilfe von bildhaften Umschreibungen ist ein wesentliches Merkmal in Brechts Werken. Diese sind jedoch nicht pathetisch oder kitschig formuliert, vielmehr bringen sie die ungeschönte Wahrheit auf den Punkt – ganz im Stil der neuen Sachlichkeit. Entsprechend sind die Bilder eingängig und leicht verständlich, ohne dass sie einer komplizierten Entschlüsselung bedürfen. Zudem geben sie zumeist die einfache Sprache der kleinen Leute wieder.

So bezeichnet die Courage beispielsweise die Machthaber und Kriegsanführer als „Großkopfige“, eine Metapher, die sich auf Anhieb erschließt. Auch die Reaktion der Marketenderin auf die wilde Vergangenheit ihres Liebhabers zeigt Schlichtheit und Pragmatismus zugleich: „Wos raucht, ist Feuer,…

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Die animalisierte Sprache

Vergleiche finden sich im Drama insbesondere zwischen Mensch und Tier, wie am Beispiel der Hyäne (siehe Abschnitt „Bildhafte Sprache“) bereits ersichtlich wurde. In der ersten Szene werden die Söhne der Courage mit Ochsen verglichen, da sie den Planwagen der Marketenderin ziehen. Zugleich findet s…

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