Die offene Form

Montage

Brecht war Mitbegründer des Epischen Theaters, welches dramatische mit erzählerischen Elementen verbindet. Ein Merkmal dieser Kunstform ist der Bruch mit dem geschlossenen Aufbau des klassischen Dramas, das nach Aristoteles über eine Einheit von Zeit, Ort und Handlung verfügen soll.

Ebenso wie viele andere Stücke Brechts ist auch die »Mutter Courage« durch eine lockere Szenenabfolge gekennzeichnet. Das Drama respektiert die aristotelische Regel der einheitlichen Handlung ohne Nebenhandlungen nicht. Die gesamte Handlung erstreckt sich über 12 Bilder von unterschiedlicher Länge, die gleich einer Montage zusammengefügt sind. Der Leser gewinnt den Eindruck, als seien die Szenen austauschbar und beliebig erweiterbar.

Zwar tragen die 12 Bilder ihren jeweiligen Teil zur Geschichte bei, bilden jedoch gleichzeitig eine unabhängige Einheit. Jedes Bild gleicht gewissermaßen einem Einakter, bildet, für sich gesehen, ein kleines Drama. Es sind Episoden aus dem Leben der Hauptfigur, exemplarische Geschichten aus 12 Kriegsjahren, die scheinbar zufällig zusammengestellt worden sind.

Verknüpfungen zwischen den Szenen

Obschon die Szenen des Stückes nur lose miteinander verknüpft sind und den Anschein von Austauschbarkeit erwecken, ist ihre Abfolge nicht ganz und gar willkürlich gestaltet. Trotz der offenen Form des Dramas lassen sich einige Elemente einer klassischen Dramaturgie erkennen, auch wenn sie zum Teil bewusst durchbrochen werden. Von einem „dramaturgischen Chaos“ kann deshalb keine Rede sein, denn es sind immer wieder Regelmäßigkeiten, Wegweiser und Orientierungspunkte festzustellen.

Bei aller Selbstständi...

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