Die Lieder des Azdak

Das Lied vom Großvater

Kontext

Der Dorfschreiber Azdak nimmt versehentlich den als Flüchtling getarnten Großfürsten bei sich auf. Als er den Schwindel bemerkt, will er sich selbst vor Gericht anzeigen. Dort erwarten ihn zwei Panzerreiter, welche die Stellung halten, da der Richter gehängt wurde. Azdak missversteht die Situation und glaubt, es sei eine Revolution ausgebrochen – ähnlich wie sie bereits vor 40 Jahren in Persien stattfand. Um den Panzerreitern das historische Beispiel aus Persien zu schildern, singt Azdak ein Lied, das ihm der Großvater mitgebracht hat (vgl. S. 83):

  1. Warum bluten unsere Söhne nicht mehr, weinen unsere Töchter nicht mehr?
  2. Warum haben Blut nur mehr die Kälber im Schlachthaus?
  3. Tränen nur mehr die Weiden gegen Morgen am Urmisee?
  4. Der Großkönig muß eine neue Provinz haben, der Bauer muß sein Milchgeld hergeben.
  5. Damit das Dach der Welt erobert wird, werden die Hüttendächer abgetragen.
  6. Unsere Männer werden in alle vier Winde verschleppt, damit die Oberen zu Hause tafeln können.
  7. Die Soldaten töten einander, die Feldherrn grüßen einander.
  8. Der Witwe Steuergroschen wird angebissen, ob er echt ist.
  9. Die Schlacht ist verloren, aber die Helme sind bezahlt worden.
  10. Ist es so? Ist es so?
  11. SCHAUWA   Ja, ja, ja, ja, ja, es ist so.
  12. Die Ämter sind überfüllt, die Beamten sitzen bis auf die Straße.
  13. Die Flüsse treten über die Ufer und verwüsten die Felder.
  14. Die ihre Hosen nicht selber runterlassen können, regieren Reiche.
  15. Sie können nicht auf vier zählen, fressen aber acht Gänge.
  16. Die Maisbauern blicken sich nach Kunden um, sehen nur Verhungerte.
  17. Die Weber gehen von den Webstühlen in Lumpen.
  18. Ist es so? Ist es so?
  19. SCHAUWA   Ja, ja, ja, ja, ja, es ist so.
  20. Darum bluten unsere Söhne nicht mehr, weinen unsere Töchter nicht mehr.
  21. Darum haben Blut nur mehr die Kälber im Schlachthaus.
  22. Tränen nur mehr die Weiden gegen Morgen am Urmisee.

Im Anschluss an das Lied machen die Panzerreiter deutlich, dass die Teppichweber den Aufstand der Fürsten tatsächlich zum Anlass genommen hätten, einen Revolutionsversuch zu unternehmen. Doch die Panzerreiter selbst hätten die Weber im Auftrag der Fürsten „zu Blei geschlagen.“ (S. 84). Azdak versteht nun und ist enttäuscht darüber, dass der Sturz der alten Herrscher lediglich neue und andere Herrscher hervorgebracht hat.

»Das Lied vom Großvater« ist eines von zwei Musikstücken über die Revolution, die von Azdak im 5. Bild vorgetragen werden. Es b...

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