Die Rolle der Götter

Seitenhieb auf das Christentum

In „Der gute Mensch von Sezuan“ treten die drei Götter auf. Sie kommen auf die Erde, um gute Menschen zu finden, denn sie wollen beweisen, dass auf der Welt, deren himmlische Herrscher sie sind, alles in Ordnung ist. „Seit zweitausend Jahren geht dieses Geschrei, es gehe nicht weiter mit der Welt, wie sie jetzt ist“, (S. 10), beschwert sich der erste Gott bei seinen „Kollegen“. Dies könnte ein Hinweis auf das Christentum sein, denn Brecht verfasst das Stück im 20. Jahrhundert nach Christi Geburt. Dieses Geschrei soll endlich aufhören, die Götter wollen ihre Ruhe. Deswegen sind sie auf einer Mission: „In dem Beschluß (sic) hieß es: die Welt kann bleiben, wie sie ist, wenn genügend gute Menschen gefunden werden, die ein menschenwürdiges Dasein leben können“, (S. 10), erklärt der dritte Gott.

Ignoranz und Sturheit

Die Welt soll so bleiben, wie sie ist, wünschen die Götter unbedingt. Deswegen halten sie, sobald sie in Shen Te einen „guten Menschen“ gefunden haben, an ihr fest. Shen Te gibt den Göttern Obdach, als sie in Sezuan ankommen, obwohl sie dadurch finanzielle Einbußen befürchten muss (S. 13).

Am Ende sehen die Götter Shen Te wieder, zunächst als Shui Ta verkleidet, in der Gerichtsverhandlung gegen den Geschäftsmann. Als sie dann den Göttern erklärt, dass sie ein Rollenspiel erfinden musste, nur um zu überleben, dass die Welt „zu viel Not, zu viel Verzweiflung“ (S. 139) in sich berge, und dass ein guter Mensch, wenn er gut bleibe, in dieser Welt nicht existieren könne, wollen die Götter nichts davon hören. „Sprich nicht weiter, Unglückliche“, ermahnt der erste Gott Shen Te „mit allen Zeichen des Entsetzens“ (S. 140). Er tut die Tricks, die sie eingesetzt hat, um nicht unterzugehen, ab als „Ein Mißverständnis (sic)! Einige unglückliche Vorkommnisse!“, (ebd.).

Obwohl der zweite Gott zweifelt, besteht der erste auf seiner Ignoranz: „Sollen wir eingestehen, daß unsere Gebote tödlich sind? Sollen wir verzichten auf unsere Gebote? Verbissen: Niemals! Soll die Welt geändert werden? Wie? Von wem? Nein, es ist alles in Ordnung!“, (S. 141). Hier zeigt sich die absolute Engstirnigkeit vor allem des ersten Gottes (der die zwei anderen Götter anführt), aber auch seine Bequemlichkeit. Die Götter habe...

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