Parabel

Die chinesische Provinz

Bertolt Brecht selbst gab seinem Stück „Der gute Mensch von Sezuan“ den Untertitel „Parabelstück“ (S. 3). Eine Parabel ist ein literarisches Werk, in welchem eine Geschichte erzählt wird, deren Handlung sich auf andere Zeiten und Orte in der wirklichen Welt übertragen lassen soll. Sezuan ist zwar eine echte Provinz, doch das hat für dieses Werk nicht so viel zu bedeuten. Brecht hätte auch einen Städtenamen erfinden oder eine andere Stadt als Schauplatz wählen können. Die Handlung ist fiktiv und nicht etwas, das sich tatsächlich in Sezuan abgespielt hat. Man muss allerdings eine Einschränkung machen: Es ist dem Stück anzumerken, dass sich die Handlung in China zuträgt. Die Namen der Figuren (Yang Sun, Shen Te, Shui Ta …) klingen chinesisch, und Reis ist das Hauptnahrungsmittel der Einwohner Sezuans, was der kulinarischen Kultur Chinas entspricht.

Der Autor, der von China fasziniert war, hat sich in der Schreibezeit (1926-1941) intensiv mit chinesischer Literatur und Philosophie beschäftigt. Daher ist das Werk nicht nur durch seinen Titel, sondern auch durch seinen Inhalt von der chinesischen Kultur beeinflusst. Shun Te bedeutet zum Beispiel „Tugend“ auf Chinesisch. Um die gewünschte Verfremdung zu schaffen, benutzt Brecht die Mittel der chinesischen Theaterkunst, bei der das Spiel nicht auf Einfühlung beruht und wo die Darstellung von Frauenrollen durch Männer auch üblich ist.

Die beginnende Industrialisierung

Wichtig ist die Anweisung, dass es sich bei dem Sezuan im Stück um eine Provinz handelt, die „halb europäisiert ist“ (S. 6). Sie soll für „alle Orte“ stehen, „an denen Menschen von Menschen ausgebeutet werden“ (S. 6). Damit sind kapitalistische Gesellschaften gem...

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