Kapitalismus

Soziale Ungleichheit

Der gesellschaftliche Aufbau in Sezuan entspricht dem einer Gesellschaft, in der der Rohkapitalismus und die Prinzipien des freien Marktes herrschen. Viele verarmte Menschen und wenige Reiche sind hier zu finden. Die Einzigen, die am Ende des Stückes noch Kapital besitzen, sind Mi Tzü und Shu Fu. Alle anderen Figuren sind ruiniert oder am Rande des Ruins. Das Kapital und die Ressourcen sind ungleich und ungerecht verteilt. Die Armen sind hier schutzlos ihrem Ruin ausgeliefert, wenn sie keine Arbeit finden.

Es gäbe Möglichkeiten, den Reichtum ein wenig umzuverteilen. Beispielsweise könnte hohes Einkommen hoch versteuert werden. Die Steuern könnten für den Aufbau des Sozialstaats verwendet werden und so der großen Armut vorbeugen. Von solchen Regelungen zur Umverteilung wird aber in Sezuan nichts erwähnt. Das politische System des Landes, das in dem Stück von dem Polizisten repräsentiert wird, scheint nicht interessiert daran, die sozialen Umstände und die Verteilung des Reichtums zu ändern. Die sozialen Missstände haben in China historisch zu Unruhen geführt und zu der Verbreitung des Maoismus beigetragen. Zuletzt wurde am 1. Oktober 1949 die Volksrepublik China als kommunistischer Staat proklamiert.

Ausbeutung der Arbeiter

Selbst Arbeit bringt in der Welt von Sezuan nicht immer Wohlstand. Die Arbeiter bekommen nur genug Geld für das Überleben ihrer Familie. Am Beispiel von Shui Tas Tabakfabrik (S. 111) wird gezeigt, wie Ausbeutung im kapitalistischen System funktioniert: Unter schlechten Bedingungen („Hinter Gittern hocken, entsetzlich zusammengepfercht, einige Familien“, S. 111) arbeiten Menschen, die nichts haben außer ihrer Arbeitskraft. Sie arbeiten für einen niedrigen Lohn („Ich will nichts bekommen, was ich nicht verdiene, und wenn der Lohn noch so lumpig ist!“, S. 114), der sie nicht weiterbringt, sie aber überleben lässt, sodass sie weiter ihre Arbeitskraft an den Besitzenden verkaufen können.

Der Besitzende (in diesem Falle Shui Ta) macht Gewinn, denn die Produktion am Fließband kostet ihn nicht viel, dafür kann er aber die Ware (in diesem Falle den Tabak) teuer verkaufen. Der Überschuss geht größtenteils in seine eigene Tasche. Möglich wurde diese Arbeitsweise durch die technischen Fortschritte und die fehlende Organisierung der Arbeiter....

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